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Skurrile Mobile

#1 von dieKatze , 11.02.2012 18:53



Der Heckmotor galt einmal als wegweisendes, fortschrittliches Konzept für den Automobilbau. Es mag dafür noch andere Gründe gegeben haben, als nur im Winter gut Berge erklimmen zu können. Vielleicht der kurze Antriebsstrang oder irgendwas Geheimnissvolles was nur die Ausserirdischen kapiert und beim Bau der Ufos perfektioniert haben. Aber Ufos sind rund und können nicht mit dem Heck ausbrechen wenn bei 140 km/h ein Kleintransporter rechts überholt und einen beim Wiedereinscheren schneidet.- Ufos können auch nicht überhitzen und haben keine Zündkerzen an die man nicht herankommt.



Das hier sind Tatra 87, erstes Baujahr 1937, Nachfolger des Tatra 77 von 1934, dessen erste Exemplare z.B. Mittellenkung hatten. Fragt mich nicht warum, aber auch das galt einmal als "fortschrittlich", und Panhard hatte die schließlich auch. Und Panhard war ja auch - na ja - extrem.
Der Vorgänger des 87, der Tatra Typ 77 kam aber schon 1934 auf den Markt, konstruiert von Hans Ledwinka, der 1931 auch bereits einen Vierzylinder-Boxer verbaute - Typ 57. Falls noch jemand fragt woher Herr Porsche seine wegweisenden Ideen bezogen hat…






Tatra hat VW wohl auch mal verklagt, Chrysler aber auch, für den "Airflow" mit stromlinienförmiger Karosserie…obwohl gegen Ende der Dreissiger sahen alle modernen Autos irgendwie wie mehr oder weniger große Käfer aus. Und so mag der Typ 87 auch als für die damalige Zeit futuristisch gelten, aber genaugenommen war das eigentlich nur gültiger Zeitgeschmack, etwas extremer ausgespielt vielleicht. Diese Fahrzeuge haben dann mal ganz locker einen 2.9 Liter V8 im Heck! 75 PS und 160 km/h war dann auch eine sportliche Leistung und sicher nichts fürs Volk. 160 km/h fuhr man damals aber nur an besonderen Tagen und ganz ausnahmsweise, z.B. um die Schwiegermutter zu ängstigen oder dem Nachbarn mal zu zeigen wer hier wirklich der Boss in der Siedlung ist. Wenn man nicht zufällig in glücklicher regionaler Lage war musste man zu einer Autobahn nämlich erst mal gelangen, über Landstraßen, halbseitig gepflastert und die andere Hälfte "Sommerweg", der nicht nur so hieß sondern im Winter wirklich nur ein Schlammstreifen war. Rechtsfahrgebot mag gültig gewesen sein aber wenn nichts kam fuhr man auf der gepflasterten Seite, nur bei Gegenverkehr mal rechts in den Matsch. Für ein olles Pferdefuhrwerk überhaupt gar nicht. Da fuhr man 40 km/h, wenn man Glück hatte und keinen Regen.




Und in diese Welt denke man sich diese Automobile. Kurvenkombinationen mit 120 km/h gab es in der Praxis nicht und Bremslichter auch nicht. Die waren erst so ab 1938 glaube ich Vorschrift. Da machte das auch nicht viel aus, daß ein fetter V8 im Heck bei jeder halbwegs hektischen Lenk - und Bremsaktion planlos ausbrechen konnte, sowas kam ja in der Praxis nicht vor. Und mit 160km/h auf der Autobahn war man sowieso der König.
Deshalb konnte man so Autos als zukunftsweisend verkaufen, jedenfalls an Leute die Mercedes nicht mochten und für viel Geld lieber was Extravagantes kaufen mochten.
3056 Leute taten das auch, bis mindestens 1950. Da war die Welt natürlich schon so anders, daß das Heckmotor-V8 Prinzip nur noch im Osten genutzt wurde, bis in die Achtziger sogar, während im Westen der US-mäßige Automobilbau sich durchsetzte, jedenfalls in verkleinerter Form, was teilweise auch zu recht lustigen Autos geführt hat…




Angeblich war der Tatra 87 ein Traumauto aus Friedrich Peltzers Jugend und so entschied er sich zum Nachbau für die neue Wiking-Klassiker Serie, die damals gerne von Mittvierzigern gekauft wurde um die Erinnerungen an die Autos ihrer Kindheit wieder aufleben zu lassen. Erschreckend ist nur, daß die Kinder von damals, 1977, die mit diesen komischen Tatras nichts anfangen konnten heute auch mitte Vierzig sind und sich über die aktuelle Auflage des Ford Escort wahrscheinlich genauso ein Loch in die Kniescheibe freuen wie Peltzer, als er endlich seinen Tatra fertig hatte….








Schönen Gruß,

Ralf


 
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RE: Skurrile Mobile

#2 von 101 ( gelöscht ) , 11.02.2012 22:16

Schön geschrieben, Ralf, und die Bilder dazu find ich äusserst gelungen!

Gruss
Jens


101

RE: Skurrile Mobile

#3 von Feniliro , 11.02.2012 22:36

ja, interessante Geschichten....

schön finde ich auch die saftpresse als Springbrunnen ;)

schöne bilder



 
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RE: Skurrile Mobile

#4 von 101 ( gelöscht ) , 12.02.2012 08:21

Für mich ist das das oben zum Vergleich herangezogene Ufo

Gruss
Jens


101

RE: Skurrile Mobile

#5 von Feniliro , 12.02.2012 14:54

okay, ich hab das nicht so gecheckt, aber jetzt wo du es sagst ;)

aber es ist und bleibt eine saftpresse

auch als springbrunnen und ufo nett anzusehen...



 
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RE: Skurrile Mobile

#6 von Charles , 12.02.2012 16:32

Zitat von Feniliro
aber es ist und bleibt eine saftpresse



Hallo,

nein, Saftpressen sind getarnte Mini-UFOs, die uns ausspionieren und sie sind überall.

Hier eine der seltenen Aufnahmen einer ungetarnten Außerirdischen in ihrem Flaggschiff :

Klick :


Grüße aus dem Odenwald

Charles


 
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RE: Skurrile Mobile

#7 von Expressler , 12.02.2012 19:37


Solange ich lebe, lebt auch Trix Express!


 
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RE: Skurrile Mobile

#8 von einviertel ( gelöscht ) , 12.02.2012 19:42

Zitat von dieKatze

Angeblich war der Tatra 87 ein Traumauto aus Friedrich Peltzers Jugend und so entschied er sich zum Nachbau für die neue Wiking-Klassiker Serie, die damals gerne von Mittvierzigern gekauft wurde um die Erinnerungen an die Autos ihrer Kindheit wieder aufleben zu lassen. Erschreckend ist nur, daß die Kinder von damals, 1977, die mit diesen komischen Tatras nichts anfangen konnten heute auch mitte Vierzig sind und sich über die aktuelle Auflage des Ford Escort wahrscheinlich genauso ein Loch in die Kniescheibe freuen wie Peltzer, als er endlich seinen Tatra fertig hatte….

Schönen Gruß,

Ralf



Ich habe diese These auch schon mal gehört, ich glaube, die stand mal so in der Chronik von HP Maerker zu diesem Tatra.

Ich halte aber mal mit dieser "Antithese dagegen:
" Peltzer hatte eigentlich mit Autos und Autofahren nie wirklich etwas im Sinn. Zu der Zeit als der Tatra als Modell produziert wurde, also Mitte der 70er, war Peltzer ein miserabeler Autofahrer und ließ sich in der Regel schon durch die Gegend chauffieren.
Es war einfach so, daß Peltzer ein Modell in der Klassiker-Reihe haben wollte welches über einen Heckmotor vefügte. Also wurde es ein Tatra!
Ob der aber ein Traumwagen von Peltzer war, darf bezweifelt werden."

Nicht dass jetzt ein Aufschrei durch die Sammlerszene geht.
Aber ich habe auch lannge an diese "Traumwagen-Geschichte" geglaubt, bin aber mittlerweile Verfechter meiner Theorie! ;o)

Fakt ist, daß der Tatra "ein Griff ins Klo" war. Er hat sich eher schlecht verkauft und lag lange wie Blei bei den Händlern.
Mir gefällt er trotzdem und ich danke dem ollen Fritz, daß er so einen Exoten als Modell umgesetzt hat.
Auch Dir lieber Ralf vielen Dank für die tolle Geschichte zu diesem "Traumwagen" und den tollen Fotos.
Ich liebe Deine Sicht der Dinge! ;o)
Ob mit Springbrunnen, UFO oder Saftpresse! ;o)
Auf solche Ideen muss man erst mal kommen.

Viele Grüße
Martin


einviertel

RE: Skurrile Mobile

#9 von SJ-Express , 12.02.2012 20:13

Hallo,
der Tatra ist auch für mich immer schon Inbegriff des exotischen Automobils gewesen. Ich hab mir damals das Wiking Modell gekauft, weil ich es so außergewöhnlich fand.
erst viel später hat ich dann nachgelesen, was es mit Tatra auf sich hat.

Es hat lange gedauert, aber 2009 hab ich den Tatra dann in Original gesehen, ein Tatra 87 steht hier:
Svedino Automuseum
Ich war im Urlaub in diesem Museum in der Nähe von Falkenberg, Schweden.
Das ist richtig sehenwert, allerdings "fotografieren verboten!"
Dort stehen auch "Chrysler Airflow" und der "Adler (Reichs-)Autobahn" der Vorbild für eine Stromlinien Limousine der Märklin 55er Reihe ist.

In der Tat sehen die Fahrzeuge der End-30er im Stromlinien-Design sich ähnlich.

Tatra 88 (technisch und optisch) recht ähnlich wurden Ende der 40er Jahre in geringen Stückzahlen nach Schweden exportiert.
Setzen sich dort aber nicht durch.
Sie waren wesentlich teurer als ein Volvo PV und die Ersatzteilversorgung war unglaublich schlecht.
Auch soll der V8 im Heck im Innenraum für unangenehmes dröhnen gesorgt haben.
Unverkaufte Neuwagen müssten teils demoniert werden um Ersatzteile für die bereits verkauften zu liefern.
1950 wurde in Schweden der letze wieder komplettierte Tatra verkauft.
(So stand es jedenfalls mal in einer schwedischen Oldtimer Zeitschrift)

viele Grüße Manfred


Suche dänische Modellbahnen in Spur H0/00 bis Baujahr 1960 und Pilot Modellautos.
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zuletzt bearbeitet 12.02.2012 | Top

RE: Skurrile Mobile

#10 von Feniliro , 12.02.2012 20:14

Zitat von Charles

Zitat von Feniliro
aber es ist und bleibt eine saftpresse



Hallo,

nein, Saftpressen sind getarnte Mini-UFOs, die uns ausspionieren und sie sind überall.

Hier eine der seltenen Aufnahmen einer ungetarnten Außerirdischen in ihrem Flaggschiff :

Klick :





ui, da gelingt der zitronensaft bestimmt extrasauer :)

wenn es die noch in kristallglas gäbe :)



 
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RE: Skurrile Mobile

#11 von dieKatze , 13.02.2012 17:32

Zitat von einviertel

Fakt ist, daß der Tatra "ein Griff ins Klo" war.

Viele Grüße
Martin





Hi Martin,


stimmt, ich fand den als Kind auch immer eklig und wollte keinen haben - mittlerweile gehts aber...
Schön auch eure Ufo-Interpretationen




Schönen Gruß,

Ralf


 
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RE: Skurrile Mobile

#12 von herribert73 , 19.02.2012 20:01

Hallo Leute,

sehr schöner Bericht!
Ich glaube aber Ihr habt da was uebersehen.

Der Tatra T87 war 1948 DAS Star Auto, zumindest in Ostdeutschland (und wohl auch im Westen). Und das war es auch noch als ich in den 80ern meine ersten Biblotheksbesuche machte. Die Buecher ueber die Abenteuer von Jiri Hanzelka und Miroslav Zikmund und ihrem T87 standen gleich neben Buechern ueber Thor Heyerdal, Fritiof Nansen und Roald Amundson. Ja, SO beruehmt, Zenith! Daher sind die Fahreigenschaften doch nebensächlich, das Ding hat ein Heckleitwerk, und 3 Lampen vorne....und ist 2 Jahre nach dem Weltkrieg um die Welt gefahren. klick

Unschlagbar eigentlich, aber ich war auch mal Saab/Mini/Alfa...etc etc Fahrer und habe daher nachweislich von Autos als solches (also solche die immer fahren) wirklich keine Ahnung

Uebrigens ist das gefährlichste am 603, den einzigen Tatra den ich wirklich mal gefahren habe, nicht die 8 Lumpen Blei im Heck sondern die Heizung in Form einer benzinverbrennenden Duese, direkt unter der Vorderbank.....wenn die explodiert....

Gruss
Fred

Edit: bin nicht der einzige dem die Heizung Angst machte ;-)


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RE: Skurrile Mobile

#13 von dieKatze , 20.02.2012 17:18

Hallo Fred,

das haben sie uns im Westen nicht beigebracht. Immer nur Käfer Käfer Käfer...
Da gibt es auf youtube ein zweiteilige Fernsehreportage über diese Tour, ich versteh zwar kein Wort, aber schöne Aufnahmen sind bei:










Schönen Gruß,

Ralf


 
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RE: Skurrile Mobile

#14 von bastler ( gelöscht ) , 14.03.2012 00:35

Schön, daß es noch so tolle Berichte über Wiking Autos gibt, die Bilder hier haben die Atmosphäre eingefangen, die ich immer wieder empfinde, wenn ich mir schöne alte Wiking Modell Autos anschaue - D A N K E !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Und bei dem Tatra ist mir noch der 1948 Tucker eingefallen, der auch diese Atmosphäre wieder in mir wach ruft, allein von dem Design, den bestimmt Herr Peltzer auch besonders gut hätte einfangen können als Meister der schönen Formen des Automobilbauens.
Als Brooklin Modell in 1/43 kommt der 1948 Tucker besonders gut, - jetzt weiß ich erst, was mich immer an den Tucker erinnert hat, eben die Formen von Wiking und den Zeitgeist der schönen rundlichen Jahre des Automobilbaues, wenn ich dies hier so sagen darf !!!


bastler

   

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