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Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#1 von Metall forever , 20.09.2013 13:52

Hallo, liebe Leute,

nachdem ich mit Interesse alle Seiten dieses Unterforum durchgenossen habe, erlaube ich mir, Euch in die visuelle "Wiking-Hölle" zu entführen.

Ja … wer kennt es nicht … der heutige Sammler als kleiner Bub ... damals, 1961 …..
Oh, ein kleiner Büssing … Mama, den will ich haben, ich bin auch ganz lieb !!

Und der brave 6-jährige Sohnemann bekam im Sommer ´61, damals in den großen Ferien beim Onkel in Wunsiedel/ Oberfranken, sein allererstes Wikingauto, einen Büssing LU7 mit den seltenen 10-Loch-Felgen.
Und genau DAS paßte mir gar nicht, denn ich kannte Büssings nur mit Trilex-Felgen. Ihr wisst schon, diese "Raubtier-Gebiss-Felgen".

Der Besitzer des multifunktionalen Seifen-/ Wikingladens am Wunsiedler Marktplatz jedenfalls hätte mir alternativ nur´n 8000-er oder´n Titan anbieten können.
Oder einen Esso-Supertankwagen, aber den fand ich blöd, der hatte keine richtige Haube, der war vorne so komisch rund, sah aus wie ein großes Komissbrot Baujahr 1925 !

Mama kaufte mir also den LU7, ich war happy und der Mann im Laden hatte seine Mark (oder waren es doch 1,50 DM ?)
Übrigens, der Sohn von dem Typ sah 28 Jahre später genauso aus, wie sein Vatter.
Ich war 1989 nämlich nochmals dort. Gleicher Laden, gleicher Kaufwunsch: Wiking !
Ich muß da bald mal wieder mal hin. Ob der noch Unverglaste da hinten zwischen der Parfümseife und den 37 Sorten Deospray für modische Girls rumliegen hat !?

Ein paar Jahre später sah der Wagen dann so aus:



Jedenfalls kann man jetzt den Fahrer wesentlich besser erkennen .....
Jaja … das war dann so ungefähr 1965. Die folgenden 48 Jahre ruhte "Meine erste Liebe" dann friedlich in etlichen Kellern.

*****


Und hier nun das vollendete Elend, oder ….. nein; nicht Elend … Freude ists !
Denn wer hebt Wikingautos auf, die schon vor 40-50 Jahre reif für die Tonne gewesen sind !?

Und glaubt es mir Freunde, ich freue mich über die alten Karren. Wenn ich den Büssing sehe … wie ein Film … in meiner kleinen Hand schiebe ich ihn über eine Hausmauer, im Urlaub steckt er immer in meiner Hosentasche, im Zug von Wunsiedel über Holenbrunn, Rabberts (Marktredwitz), Nürnberg nach Essen fährt er in meinen kindlichen Visionen über die Autobahn, ich bin der Fahrer …
Der Möbelwagen dahinter … auch aus Wunsiedel, da packte ich mal ´ne gefangene Grille rein (Grillenumzug von der Wiese in die Wohnstube).
Mama fand das nicht so lustig …

Hier nun die komplette Zeitmaschine in meine Kindheit:






Irgendwann - es muß 1963 gewesen sein - war ich wieder in den großen Ferien in Wunsiedel. Der Typ in dem wikingveredelten Seifenladen überraschte mich mit etwas ganz besonderem: Haubenlaster-Zugmaschinen ohne Fenster - whow !

Die mußten sogleich farblich etwas modifiziert werden; der Henschel bekam sogar "moderne" Räder - Trilex von ´nem ausgeschlachteten Titan passten leider nicht = zu groß !
Ach, was war ich doch für ein quirliges Kerlchen … so innovativ




Beim Magirus mußte um 1964 herum die Mechanik des Kippers näher untersucht werden. Ging aber irgendwie schief …..



1965 war ich wieder in Wunsiedel.
In jenem Jahr kamen zwei Supermodelle auf den Markt: MB 1620 Pritsche und dieser geile alufarbene MB 1620 Koffersattelzug !
Noch während des Urlaubes ging leider eine der beiden hinteren Türecken des Aufliegers zu Bruch - man sollte auch keine Kieselsteine in einen Sattelkoffer laden und versuchen, anschliessend die beiden Flügeltüren mit Gewalt zuzudrücken …..



Der zweite MB 1620 (auch noch mit silberner Zierlinie unter den Fenstern) hatte sogar Inneneinrichtung. Wo der her kam, weiß ich nicht - der war irgendwie schon immer da (in der Modda-Kiste !).

Neue Wege eröffneten sich um 1966 herum.
In Essen gab es zu jener Zeit noch zweiachsige Straßenbahnen, mit denen ich morgens zur Schule fuhr (EVAG Tw 1431-1436, ex Hagen).

Yeah - durch Zufall fanden zwei zu mir nach Hause ! Von der Firma Siku.
Das schwarz-gelbe Modell (das war WIRKLICH ein gelungenes Modell für die damalige Zeit) lackierte ich gleich um; den anderen versah ich sorgfältigst mit paßgenauer Reklame:



Ich war zwar erst 11, klein und schmächtig, aber ich war ja nicht doof. Die heisse Karre brauchte ein rollfähiges H0-Fahrgestell, um auf meiner Märklin Bahn eingesetzt werden zu können:



Blöd war nur, daß mein Straßenbahnwagen immer im Tunnelportal stecken blieb. Auch mit der Bahnsteighalle von Faller gab es unschöne Probleme …..

Tja … so war das. Lange her ists. Und alles noch da.
Ich denke mal, das ein oder andere Wikingmodell werde ich wieder aufarbeiten, besonders der hellgrüne Borgward-Lieferwagen mit den ultrahellen Rädern. Oder auch der blaue Büssing 4500, der leider eine gebrochene Frontpartie hat. Schau´n mer mal …..

Wie sagte mein lange verstorbene Vater einst ?
"Junge, merke dir ... man sollte alles im Leben aufheben. Man kann alles irgendwann einmal gebrauchen."

Gruß, Michael


 
Metall forever
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#2 von smashman , 20.09.2013 14:44

Hallo Michael,

sehr schöner Bericht. Danke dafür. Uns allen geht es mit irgendwelchen Dingen so,
aber wir waren Kinder und es war Spielzeug wie du richtig beschreibst.
Gruss, Marc


 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#3 von *3029* , 20.09.2013 14:50

Hallo Michael,

deine Geschichten aus der Vergangenheit habe ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge gelesen,
das ein oder andere ist bei mir ähnlich gewesen - allerdings mit dem Unterschied, dass ich diese frühkindlichen
Exponate nicht mehr besitze. Das macht mich schon etwas traurig.

Vielleicht bin ich deswegen auch heute sehr pingelig darauf bedacht dass sich alles im Top Zustand befindet
und keine Schäden erleidet.

Deine Zeitreise habe ich jedenfalls sehr genossen. Danke.

Die "Motorisierung" der Siku Strassenbahn wäre eine gute Idee. Ein Versuch wert, das zu realisieren?
Würde eine Attraktion sein, wenn die Strab an der Wartehalle anhält, den Rundkiosk mit Grünanlage umfährt,
vorbei an Ladenhaus und Grosstrankstelle...

Viele Grüsse

Hermann



 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#4 von otti , 20.09.2013 15:25

Hallo Michael,
danke für den Bericht. Bekannt kommt mir das vor, handgeschriebene Zettel als Werbung, so wie "Coca Cola" auf der Straßenbahn!
Grüße
otti.


 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#5 von Metall forever , 20.09.2013 16:42

Ich danke Euch für Eure positiven Rückmeldungen !

Zum Vorschlag von Hermann (3029) bezüglich einer Motorisierung:
Die beiden Kisten sind wirklich nur noch Schrott. Da ist an beiden Fahrzeugen alles mögliche abgebrochen.
Natürlich könnte man testhalber eine Motorisierung versuchen; die gewonnenen Ergebnisse flössen dann in ein, z.B. in der Bucht ersteigertes, vollständig erhaltenes Modell ein.
Ich denke da an Faulhabermotoren von SB-Modellbau bzw. deren Fahrgestelle. Wäre ein Fall für die Modellbau-Fraktion bei Drehscheibe online: DSO - Modellbahnforum .

Leider bin ich nicht so der große Frokler und Bastler.
Ich stelle noch drei Bilder ein, um einerseits die schweren Abbruchschäden zu dokumentieren und andererseits dem interessierten Betrachter Einblick in das Eigenleben der Siku-Strabse zu gewähren, welche so bei einem hochwertigen Sammlermodell nicht möglich sind:








Ach ja, einer von meinen Schrottis war recht einfach wieder zum Leben zu erwecken.
Dieser '58-er Ford 2500 lief mir irgendwann Mitte der Sechziger zu. Die fehlenden Räder habe ich b.a.w. durch unterschiedliche 10mm Räder ergänzt. Sie stammen von dem Mercedes 809 "Max Mothes" Pritschenwagen. Der Pacht hatte die gleichen Räder.
Sie sind zwar vorbildgetreu aber nicht WIKING-getreu.

Original UNTERSCHIEDLICHE (vorne-hinten) 10mm Räder in hellgrau sind evt. in dem neuen Wiking-Räder Set drin. Es gab/ gibt auch ´ne PMS-Packung mit einem Chevrolet-Pickup, der die richtigen Räder hat: PMS - Ausgabe 20 .
Erstaunlicherweise hat sogar der Zughaken überlebt .....









Ich habe mich entschlossen, den Wagen nicht zu reinigen. "Lebens-Patina" sozusagen, die ist in 50 Jahren original "gewachsen", die bleibt dran. Man muss den Schmott zwischen den Planken der Pritsche regelrecht riechen können ... auch wie ´ne Zeitmaschine.

Übrigens - hat jemand schon jemals solche komischen "chinesischen" Zeichen unterhalb der Pritsche gesehen ?
Ich versichere, daß der Wagen seit meiner Kindheit in meinem Besitz ist und Onkel Wu hatte um 1965 herum andere Probleme als billiges Peltzer-Faking ...

Gruß, Michael


 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#6 von gs800 , 20.09.2013 19:07

Hallo Michael,

interessanter Bericht. Von meinen ersten Wikingern aus den 60ern hat wohl nichts überlebt. Ich habe aber noch irgendwo ein Foto mit diversen Wikingern und Matchbox. Ist schon lustig, dass man auch heute noch Freude an den gleichen Sachen wie früher hat.


Gruss
Rei/CH


Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Aber Nichts wissen macht auch nix :-)


 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#7 von toy-doc , 20.09.2013 19:18

Moin Michael!
Dein Bericht kommt mir irgendwie bekannt vor!
Auch ich habe noch einige wenige Exemplare aus meiner Kindheit, allerdings nur Matchbox-Autos.
Die sind aber in einem derart schlechten Zustand, daß ich sie auf keinem Flohmarkt kaufen würde.

Von den Wikings ist keiner mehr vorhanden.

Meine Eltern erzählten das so:
Ich hätte mein Zimmer immer nur äßerst widerwillig oder gar nicht aufgeräumt.
Wenn dann meine Eltern abends noch mal nachsehen wollten, ob ich gut zugedeckt schliefe, gab es beim Reinschleichen unschöne Knacks-Geräusche - wieder ein Wiking in Walhall!

Seitdem gab's ausschließlich Matchbox und ähnliche Metallautos.

Die wiederum verursachten in ähnlichen Fällen gerne mal Fuß-Verletzungen.

Jaja, sie hatten es nicht leicht mit mir!
Umgekehrt aber auch nicht!!!


Gruß
toy-doc


 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#8 von Metall forever , 20.09.2013 20:27

Ich bins nochmal,

geahnt hatte ich es heute Mittag schon. Auch befürchtet. Jetzt ist es wieder soweit.
Ich wurde rückfällig.

Zwei der oben in meinem Bericht gezeigten Schrottis ließen mir einfach keine Ruhe.
Während draußen die Vögel jubilierten, turtelnde Päärchen mit Knöpfen in den Ohren durch die Gegend spazierten und kläffende Hündchen im Sonnenlicht fröhlich überall ihre Hinterpfötchen hoben, wühlte ich in meinem Keller nach 11mm Rädern mit 10-Loch Felgen nebst passenden Hinterradrädern.
Der Magirus Muldenkipper brauchte jetzt seine jahrzehntelang vernachlässigte Revitalisierung (soweit machbar).
Die Originaldinger von meinem Büssing LU7 MUSSTEN einfach noch vorhanden sein !

Nun zahlte sich aus, daß ich schon als Kind alles in Kartons aufbewahrt hatte.
Später, nach dem Auszug aus dem Elternhaus, bunkerte ich alles in diesen stapelbaren Toy-Boxen, immer mit beschrifteten Selbstklebe-Etiketten versehen.
Ich kann das wirklich nur jedem empfehlen !

Und was finde ich nach ca. 3 Stunden da ? Na !?
Yes hombres; sie existierten wirklich noch. Außerdem passende 10mm Wulsträder für meinen Büssing 4500 - den nahm ich mir auch gleich zur Brust.

*****


Das Problem beim Magirus war, daß ich damals den Metallbügel zum Kippen entfernt hatte. Ebenso die Halteplatte, welche das Drehteil der Mulde absichert.
Was tun ?

Provisorisch heftete ich einen zugeschnittenen Uhu-Patafix Klebepad auf das Chassis, legte die Mulde auf selbiges und drückte sie gaaanz langsam vorne nach unten.
Zwischendurch hörte ich eine BFBS-Classic Top 20 vom 12. September 1963, Kathy Kirby ist mit "Dance On" (gesungene Version von den Shadows) in jener Woche auf Platz 11. Ach ja, die kleine Knuddelmaus mit der fröhlichen Stimme (die ist jetzt auch schon locker über 70) .
Mein Vater stand auf Glenn Miller, später dann hörten wir im Radio immer den britischen Soldatensender BFBS. Solche Sounds halten mich fit !
Gut, das sie diese alten britischen Charts heute wiederholen und man sie als mp3 saugen und speichern kann.



Jetzt hält die Mulde und ist jederzeit wieder abnehmbar, falls sich irgendwann fehlende Originalteile finden. Das helle Klebepad muß ich noch gegen ein schwarzes, kürzeres tauschen.
Ach ja - mit 10-Loch-Felgen sieht er wieder richtig cool aus.
Und schön dreckig - wie so Kippers eben sind …..



Auch der Büssing ist fast wieder der alte. Wäre da nur nicht der riesige Riß vorne.
Aber war hat das schräge Teil mit den Selbstmördertüren nicht alles in meiner Kindheit mitgemacht ? Oh oh …



Wie gesagt - die Kisten gammelten 50 Jahre vor sich hin … es sind keine Schmuckstücke, aber persönliche Zeitmaschinen in meine Kindheit zurück !

Gruß, Michael


 
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RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#9 von foxkilo ( gelöscht ) , 28.09.2013 22:02

Hi Michael,

Kathy Kirby ist leider 2011 im Alter von 72 Jahren gestorben.

Mario


foxkilo

RE: Wikingschrott ... Zeitmaschine in die eigene Kindheit

#10 von Metall forever , 29.09.2013 05:12

Tja Mario,

das macht uns wohl allen schmerzlich den Werdegang des Lebens bewußt.
72 Jahre alt wurde sie - viele Sammler von uns sind bereits auch in diesem Alter oder schon verd. nahe dran. Doch innerlich sind wir doch alle die jungen Teenies oder gar noch Kinder - auf der Suche nach Erfüllung unserer (nicht nur) Wiking-Träume.
Damals ... in unbekannten Spielzeugläden vom wenigen Taschengeld; heute auf Börsen und Märkten vom genauso knappen "Taschengeld".

Wie ich schon schrieb; meine kaputtgeliebten Schrott-Autos sind emotionale Zeitmaschinen, ein Kratzer hier, ´ne Macke da. Wie im wirklichen Leben !
Ne Falte hier, etwas Bauchspeck da und der "Motor" ist auch nicht mehr so ganz in Schuß .....

In Memiriam an Kathy hier ein Bildle aus frisch-fröhlichen Tagen: Kathy Kirby - 1963

Let´s dance on, Euer Michael


 
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