"denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#1 von dabbelju , 21.04.2021 20:20

Hallo Märklinisten - und Freunde alter Modellbahn:

als Betriebs- und Spielbahner mit dem inzwischen schon historischen Motorola-System 6021 stellt sich mir NICHT die Frage nach dem bestmöglichen Decoder oder der bestmöglichen Antriebstechnik nach heutigem Stand. Die historischen Fahreigenschaften mit den alten Feldspulen-Motoren (sei es Trommel- oder Scheibenkolllektor) bieten ja einen Auslauf-Schwung bei plötzlicher Spannungs-Wegnahme, weil diese Motoren mangels Magnetwirkung der Feldspule kein Rastmoment aufweisen. Elektronische Bremsverzögerung ist demnach nicht so wichtig wie bei modernen DC-Motoren - es sei denn, die hätten wirksame Schwungmassen. Wenn man ohnehin nicht rasen will mit seinen Zügen, kann man mit der alten Antriebstechnik gut zurechtkommen - gut servicierte Loks vorausgesetzt.

Daher kann man auf einer historischen Spielanlage mit Fahrzeugen der alten Antriebstechnik auch mit abschaltbaren Signal-Haltbereichen gut zurecht kommen (ohne Bremsstrecken und tralala), finde ich. Da paßt "alt & alt" in technischer Hinsicht gut zusammen. Moderne, ABV-geregelte Triebfahrzeuge biten an stromlos geschalteten Halt-Abschnitten keinen Vorteil, im Gegenteil. Auf meiner Anlage fahren beide Antriebs-Generationen: Digital ab Baujahr 1985 bis ca. 2010. - Wirklich schlechte Fahreigenschaften haben manche Fahrzeuge mit DELTA-Decoder, aber oft nicht so "grottenschlecht", wie in manchem Forum dargestellt. Die sind eben Spielbahnmäßig. (Ausnahme: der alte ex-TRIX Kittel mit Delta: der ist auf der Anlage nahezu unbrauchbar).

Wenn ich diese "Alt-Fahreigenschaften" bei den Feldspulen-Antrieben erhalten möchte, müßte ich sie also auch bei Digitalisierung drin lassen in der Lok. Vor allem auch in Loks, die ab Werk nicht digitalisiert waren. Frage an die Gemeionde: liege ich da mit dem Decoder 60906 genau richtig? Ist er besser als die alten Mäuseklavier-Decoder 6080? Wenn ja, in welcher Hinsicht?

Mich schreckt etwas ab, daß die neuen 60906 nur über "virtuelle" elektronische Anspraache programmiert werden können bzw. müssen. Da gibt es keine Poti's oder Mäuseklavier; man sieht äußerlich nichts. Man braucht eine moderne mfx-Zentrale, um sie überhaupt ansprechen zu können, oder? - Die habe ich gar nicht, und die will ich auch im Betrieb gar nicht verwenden. Mir reicht die 6021 mit ihren relativ wenigen Fahrstufen völlig aus; die harmoniert bestens mit meinem Fahrzeugpark. Bidirektionales mfx mag schön sein - ich brauche es nicht; ich habe meine Adressliste.

Frage: wem geht es ähnlich; wer hat praktische Erfahrung mit dem 60906 auf seiner Anlage gesammelt? - Daß nach heutigen Maßstäben der HLA mit Motor-Umbau und entsprechnedem Decoder "besser" sein mag, ist mir klar. Darum geht es mir nicht. Ich möchte an alte Loks möglichst wenig umbauen, und dennoch "gut fahren" nach alten Maßstäben.

Uli


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#2 von Rumpelbahner , 23.04.2021 13:15

Moin,

die 6021 habe ich zu den 280er Trafos ab & zu in Betrieb, besonders für die alten Digitalloks.
Nach einer MS1 (für mich einfach unpraktisch) habe ich mir eine MS2 gegönnt mit der man sowas schon gut hinbekommt. Eine CS3 oder auch eine aktuell upgedatete CS2 sind natürlich viel einfacher.
Entweder in so ein Gerät investieren oder in Deiner Region mal die anderen Modellbahner um Hilfe bitten bzw. nach einem Stammtisch sehen, die fahren ja auch meist digital.

Gruß ... Thomas


 
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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#3 von TEE2008 , 23.04.2021 13:38

Hallo,
der 60906 ist der moderne Nachfolger des Delta Decoders mit dem Funktionsumfang eines modernen mfx Decoder.
Unter mfx und DCC sind die Fahrstufen deutlich mehr als bei einem Delta Decoder.Der 60906 kann auch unter MM2 mit einer Control Unit 6021 mit einer MM2 Adresse gesteuert werden, die man auch mit einer Control unit 6021 über die Registerprogrammierung ändern kann (einfach mal Märklin mLD/3 Registerprogrammierung mit Control Unit 6021 suchen).
Das dauert zwar länger und klappt manchmal nicht immer sofort, funktioniert aber.
Der verbaute Motor mit Feldspule sollte einwandfrei sein, da man sonst kein schönen Fahreigenschaften erwarten kann. Aus diesem Grund wird immer angeraten den jeweils passenden HLA mit einem dafür passenden Decoder (mLD/3 Märklin 60972 oder Lopi 5 mfx mit passender Schnittstellenplatine) zu verbauen.


Gruß

Tobias


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#4 von SAH , 23.04.2021 16:41

Moin Uli,

der Funktionsumfang des 60906-Dekoders entspricht einem mld3. Dazu gehört auf die Programmierung. Als moderner Dekoder natürlich am besten mit einer modernen Zentrale durchzuführen.
Die Fahreigenschaften entsprechen den ungeregelten Motoren. Neu ist hierbei, dass mit der CV2 auch die niedrigste Fahrstufe nutzbar gemacht werden kann. Insofern ist in Punkto Ansteuerung der 60906 mit den Tams LD-W Dekoder gleichwertig. Vorteil 60906: mfx-Tauglichkeit.
In punkto Komfort usw. halte ich jedoch die LRA+-Lösung für besser: auch hier bleibt der alte Motor erhalten und das Relais wird durch (beliebigen, geeigneten) Dekoder plus Adapter ersetzt. "Nachteil" dieser Methode ist, dass der Dekoder sorgfältig programmiert werden muss. Dazu muss man das Modell aber fahrtechnisch kennen, sonst wird das nix.

Mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#5 von dabbelju , 23.04.2021 19:15

Zitat von SAH im Beitrag #4
Moin Uli,
In punkto Komfort usw. halte ich jedoch die LRA+-Lösung für besser:
Stephan-Alexander Heyn


Danke, Stephan-Alexander,
für Deine Hinweise. Aber meine Frage: was ist die "LRA+ - Lösung" für ein Dingen? Was müßte dort einjustiert / einprogrammiert werden, womit?

Dass der Original-Motor mit Feldspule incl. Getriebe in picobello-Zustand sein sollte - das ist klar. Meine Frage uist aber auch: ist der "neue" 60906 in irgendeiner techischen Hinsicht (außer mxf-Fähigkeit) bzgl. Fahreigenschaften besser als die alten Mäuseklavier-Decoder? Nur dan wäre mir der Aufwand mit der Adress-Programmierung hinnehmbar anstatt des narrensicheren, einfachen Klavierspiels als Mäuschen ....
Uli


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#6 von SAH , 23.04.2021 19:58

Guten Abend Uli,

Zitat von dabbelju im Beitrag #5
Zitat von SAH im Beitrag #4

In punkto Komfort usw. halte ich jedoch die LRA+-Lösung für besser:


für Deine Hinweise. Aber meine Frage: was ist die "LRA+ - Lösung" für ein Dingen? Was müßte dort einjustiert / einprogrammiert werden, womit?

Dass der Original-Motor mit Feldspule incl. Getriebe in picobello-Zustand sein sollte - das ist klar. Meine Frage uist aber auch: ist der "neue" 60906 in irgendeiner techischen Hinsicht (außer mxf-Fähigkeit) bzgl. Fahreigenschaften besser als die alten Mäuseklavier-Decoder? Nur dan wäre mir der Aufwand mit der Adress-Programmierung hinnehmbar anstatt des narrensicheren, einfachen Klavierspiels als Mäuschen ....
Uli



die Schaltung des LRA (Bezeichnung von Kersten Tams für meine Schaltung mit der Bedeutung "Last-Regel-Adapter" habe ich 2012 entwickelt und in den darauf folgenden Jahren aufgrund Hinweisen von Thomas Horstmann hier im Forum deutlich verbessert. Diese Schaltung ermöglicht es, die alten Reihenschlussmotoren mit Dekodern, die für DC-Motoren ausgelegt sind, einschließlich Lastregrlung zu betreiben. Die Dekoder müssen deshalb auf diese Schaltung mit Motor programmiert werden, weil sie für einen anderen Motor ausgelegt sind.
Zum 60906 oder Tams LD-W ...: im Gegensatz zu fest eingestellten Dekodern wie Delta oder 6080, deren Fahrverhalten Digital in etwa mit Extremkriechgang FS1-Krabbelbrummgang FS2-Langsamfahrt FS3-Normalfahrt FS4-FS7- 2. Astronomische Fluchtgeschwindigkeit ab FS8 beschreiben lässt, können die Geschwindigkeitskennlinien individuell angepasst werden. Damit ist dann schon ein sehr großer Teil betrieblicher Probleme beseitigt.

Mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#7 von dabbelju , 23.04.2021 20:54

Hallo Kollegen, und danke, Stephan-Alexander.

Über "Stummi" bin ich in einem Thread über Märklin BR81 Umbauten auf den Allstromdecoder von Uhlenbrock gestoßen: No. 76200, für Feldspulen-Motoren, mit Lastregelung, zwei Zusatzfunktionen (Telex!), etc. Nicht mfx-fähig, was für mich OK wäre. Kein Mäuseklavier, passable Abmessungen. - na ja. - Das liest sich doch gut, oder?

Vielleicht ist das das richtige Ding für alte, "wenig umgebaute" Märklin Triebfahrzeuge? Auch wenn dieser Baustein NICHT made-in-Göppingen ist; da müßte ich mir einen Ruck geben.

Uli


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#8 von SAH , 24.04.2021 00:44

Moin Uli,
der UB 76200 ist in Bezug auf die Regelung leichter einzustellen als der LRA(+). Aber: der Dekoder ist gegenüber Kurzschlüssen und Betriebsstörungen erheblich empfindlicher. Der kleinste Anlass und * Poff * neuer Dekoder fällig. Programmieranleitung ist zu beachten (auch im Stummiforum zu finden). Da braucht man bei richtigem Vorgehen keinen "HLA". Noch eine Eigenschaft: nur 14 Fahrstufen.

Mit freundlichen Grüßen,
Stephan-Alexander Heyn


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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#9 von dabbelju , 24.04.2021 21:55

Also, alles-in-allem ...
...scheint für meinen Geschmack vielleicht doch der Decoder 60906 aus Göppingen das geeignete Teil zu sein: ich lasse ja den alten Feldspulen-Motor absichtlich drin, um einen Rastmoment-freien "Restschwung" im Antriebsstrang zu haben. Da brauche ich doch keine ABV, Bremsverzögerung etc. als elektronische Ersatz-Funktion. Auch wenn diese im Sinne "vorbildgerechte MODELL-Bahn" nach heutigem Standard Sinn machen würde. Ich aber bin Nostalgiker. Nur: schlechtlaufende Modelle möchte ich auch nicht auf meiner Anlage haben. Mir wäre der Stand von 1990 aber durchaus recht.

Ich habe mir bei Uhlenbrock mal die Anleitung angesehen: das ist mir alles viel zu kompliziert, das hat nix mehr mit "Alte Modellbahn" zu tun. Das Ding müßte man mit viel Erfahrung sehr sorgfältig programmieren (lassen). Vielleicht war das auch ein Leitgedanke in Göppingen, als die ihr Produkt konzipiert haben. Das Format mfx ist für Märklin natürlich ein Muss im Sinne Kompatibilität; dafür habe ich Verständnis.

Uli


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zuletzt bearbeitet 27.04.2021 | Top

RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#10 von SET800 , 20.10.2021 20:41

Zitat von dabbelju im Beitrag #1
Hallo Märklinisten - und Freunde alter Modellbahn:

als Betriebs- und Spielbahner mit dem inzwischen schon historischen Motorola-System 6021 stellt sich mir NICHT die Frage nach dem bestmöglichen Decoder oder der bestmöglichen Antriebstechnik nach heutigem Stand. Die historischen Fahreigenschaften mit den alten Feldspulen-Motoren (sei es Trommel- oder Scheibenkolllektor) bieten ja einen Auslauf-Schwung bei plötzlicher Spannungs-Wegnahme, weil diese Motoren mangels Magnetwirkung der Feldspule kein Rastmoment aufweisen. Elektronische Bremsverzögerung ist demnach nicht so wichtig wie bei modernen DC-Motoren - es sei denn, die hätten wirksame Schwungmassen. Wenn man ohnehin nicht rasen will mit seinen Zügen, kann man mit der alten Antriebstechnik gut zurechtkommen - gut servicierte Loks vorausgesetzt.

Uli



Hallo,
dazu die Frage, wie benehmen sich Lokomotiven mit DELTA und Feldspulenmotor in der Märklin Bremsstrecke die ja für HLA gedacht ist?

Grüße


 
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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#11 von SET800 , 20.10.2021 20:44

Zitat von TEE2008 im Beitrag #3
Hallo,
der 60906 ist der moderne Nachfolger des Delta Decoders mit dem Funktionsumfang eines modernen mfx Decoder.
Unter mfx und DCC sind die Fahrstufen deutlich mehr als bei einem Delta Decoder.Der 60906 kann auch unter MM2 mit einer Control Unit 6021 mit einer MM2 Adresse gesteuert werden, die man auch mit einer Control unit 6021 über die Registerprogrammierung ändern kann (einfach mal Märklin mLD/3 Registerprogrammierung mit Control Unit 6021 suchen).



Hallo, lässt sich der 60906 auch mit dem ESU-Programmer cv-mäßig verändern?

Grüße Wolfgang


 
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RE: "denkmalgerechte" Digitalisierung: mit 60906?

#12 von Rumpelbahner , 03.12.2021 14:14

Moin,

soviel müßen wir Nutzer den großen Herstellern zu zulassen:
Die Decoder lassen sich von den Steuerzentralen der Mitanbieter was sagen, teilweise sogar die Adresse ändern. Das reicht aber auch, sonst bräuchten sie ja nicht alle ihre zusätzlichen Programmiergeräte zu entwickeln für unsere Bedürfnisse.

Gruß … Thomas


 
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