Fleischmann - Reisezüge in den Produktfarben

#1 von Siegstrecke , 18.01.2022 23:23

Hallo allerseits,

in den Epochen IV d und V a versuchte sich die Deutsche Bundesbahn in einem neuen Farbkonzept. Für jede Reisezugart (Produkt) sollte es ein bestimmtes Farbschema geben, welches für den Reisenden leicht erkennbar sein sollte. Die Produktfarben waren geboren. Natürlich musste auch ein Modellbahnhersteller auf die Änderungen des Vorbildes eingehen und dementsprechende Modelle in sein Sortiment aufnehmen.
Die Produktfarben zogen sich noch eine Zeit lang in die Epoche V b, da die Deutsche Bahn AG bei ihrer Gründung dieses Farbkonzept erst einmal übernahm.
Während die Lokomotiven ein Einheitsfarbschema besaßen, wurden Waggons gemäß ihrer Aufgabe lackiert. Somit könnte man das Thema auch im Unterforum "Reisezugwagen" behandeln, wenn da nicht auch die Triebzüge betroffen gewesen wären.


Abgesehen vom Vorbildprojekt "City-Bahn" und des ICE-Versuchszuges (Experimental) begann Fleischmann im Jahre 1987 das neue Farbkonzept im Modell umzusetzen. Fünf Fernreisewagen für den Intercity- und Eurocityverkehr erschienen im dafür vorgesehenen Farbschema (Fensterband in orientrot, Zierstreifen in pastellviolett). Die Waggons erschienen im Längenmaßstab 1:100, waren mit Kurzkupplungskinematik ausgestattet und besaßen die Zuglaufbeschriftung des Eurocitys "Rembrandt" von Amsterdam nach Chur. Die Artikelnummern waren 5181, 5182, 5183, 5184 und 5185.

Im Jahre 1988 kamen drei Waggons in Regionalverkehrsfarben hinzu (Fensterband in minttürkis, Zierstreifen in pastelltürkis). Auch hier war der Längenmaßstab 1:100, die Kurzkupplungskinematik wurde Standard und Stade war das Reiseziel auf dem Zuglaufschild. Die Artikelnummern waren 5143, 5144 und 5145.

1989 kam der Dieseltriebzug der Baureihe 614 in den Regionalverkehrsfarben ins Sortiment. Sein Zugziel war Nürnberg Hauptbahnhof und er erschien in drei technischen Ausführungen. Für den analogen Anlageneinsatz gab es die Artikelnummer 4438 und für den Einsatz mit der hauseigenen Mehrzugsteuerung die Artikelnummer 6 4438. Für beide Varianten war der Mittelwagen mit der Artikelnummer 4439 vorgesehen. Zum Fahrbetrieb auf Drei-Leiter-Wechselstrom-Anlagen war die Artikelnummer 1438 vorgesehen (Artikelnummer des Mittelwagens war 1439).
Desweiteren wurden im Katalog vier Interregio-Fernreisewagen angekündigt, deren Auslieferung im folgenden Jahr stattfinden sollte.

Im Jahre 1990 erschienen die vier Interregio-Fernreisewagen dann auch (Fensterband in fernblau, Zierstreifen in pastellblau). Sie waren die ersten Modelle im Längenmaßstab 1:93,5. Der Zuglauf müsste Kassel - Konstanz gewesen sein (ich weiß es allerdings ehrlich gesagt nicht mehr so genau und werde es bei einem Einspruch Eurerseits umgehend korrigieren - es ist tatsächlich schon eine kleine Ewigkeit her, als die Waggons noch in meinem Besitz waren). Die Artikelnummern der Waggons waren 5176, 5177, 5178 und 5179.

1991 begann der ICE-Verkehr (Intercity Express) bei Fleischmann (Grundfarbe in lichtgrau, Zierstreifen in orientrot, Begleitstreifen in pastellviolett). Die Triebköpfe besaßen die Artikelnummer 4440, die Zwischenwagen hatten die Artikelnummern 4441, 4442, 4444, 4445, 4446 und 4448. Ich weiß nicht, wie die Zuglaufbeschriftung war (mir fällt das auch im Moment nicht zum Vorbild ein - waren das schon digitale Anzeigen?).
Im Wagensektor gab es im betreffenden Jahr weitere Neuerungen. Die Intercity- und Eurocityfernreisewagen im Längenmaßstab 1:100 waren nicht mehr im Sortiment. Als Neuheit erschienen vier Waggons im Längenmaßstab 1:93,5 für den Intercity- und Eurocityverkehr in bekannter Farbkombination. Die Artikelnummern waren 5111, 5112, 5113 und 5114. Die Wagenübergänge wurden in druckdichter Ausführung nachgebildet und besaßen somit keine Gummiwulstübergänge. Bei der Waggonbeschriftung wurde als Zugname der Eurocity "Prinz Eugen" gewählt und dessen Zuglaufschilder mit seinem Fahrweg von Hamburg-Altona nach Wien Westbahnhof bedruckt.
Desweiteren wurden im Katalog zwei FD-Fernexpresswagen im Längenmaßstab 1:93,5 als Handmuster abgebildet und als Neuheit vorgestellt (Art.-Nr. 5672 u. 5674). Die Waggons besaßen die Farbkombination des Interregios, hatten Steildächer und die Wagenübergänge waren druckdicht ausgeführt. Welche Zuglaufbeschilderung die Waggons hatten oder ob sie überhaupt im betreffenden Jahr erschienen, ist mir nicht bekannt.

Im Jahre 1992 kamen weitere ICE-Zwischenwagen ins Sortiment (Art.-Nr. 4443, 4447 u. 4449). Auch wurde der ICE nun für das FMZ-System angeboten (Art.-Nr. 6 4440). Für den Intercity- und Eurocityverkehr erschien ein weiterer Waggon mit der Artikelnummer 5110. Ebenfalls gab es zwei neue FD-Fernexpresswagen (Art.-Nr. 5671 u. 5673).

1994 kam mit der Baureihe 610 (Pendolino) ein weiterer Triebzug in Regionalverkehrsfarben ins Sortiment. Für den analogen Betrieb gab es ihn unter der Artikelnummer 4415, für den FMZ-Betrieb unter der Artikelnummer 6 4415.
Im Fernverkehr gab es eine ICE-1-Variante für den Deutschland-Schweiz-Verkehr. Die Artikelnummer der Triebköpfe für Analogbetrieb war 4450, für FMZ-Betrieb war es die 6 4450. Diese Triebköpfe waren die ersten Modelle mit dem damals neuen DBAG-Emblem.

Bei Fleischmann erschienen im Jahr 1995 die ersten Doppelstockwagen. Als zeitgenössische Modelle erschienen diese selbstverständlich in den Produktfarben des Regionalverkehrs (mit DBAG-Emblem). Die Artikelnummern waren 5121 und 5122.
Ein weiterer Waggon für den Intercity- und Eurocityverkehr (Rücklichtwagen) erschien noch mit DB-Emblem (Art.-Nr. 5118).

1996 bereichern drei weitere Doppelstockwagen in Regionalverkehrsfarben das Sortiment (Art.-Nr. 5123, 5124 u. 5125). Bei den Katalogabbildungen sind Bauartunterschiede zu den Modellen aus dem Jahr 1995 ganz klar zu erkennen. Versiert benennen kann ich sie allerdings nicht.
Zudem gibt es unter der Artikelnummer 96 5122 eine limitierte Sonderserie eines Doppelstockwagens (Werbebeschriftung).

Im Jahre 1997 gab es einen weiteren Waggon für den Intercity- und Eurocityverkehr (Art.-Nr. 5115). Aufgrund seiner Bauart war er mit Gummiwulstübergängen ausgestattet.
Bei den Doppelstockwagen in Regionalverkehrsfarben gab es zwei limitierte Sonderserien mit Werbebeschriftung (Art.-Nr. 97 5121 u. 97 5125). Zudem gab es unter der Artikelnummer 1623 einen Doppelstocksteuerwagen für den Mittelleiter-Wechselstrombetrieb.
Unter der Artikelnummer 5175 erschien ein Steuerwagen in den Produktfarben des Interregio.

1998 erschien der ICE 2. Durch seinen pastellvioletten Begleitstreifen zählt seine Lackierung noch zu den Produktfarben. Triebkopf und Steuerwagen erschienen in analoger Ausführung unter der Artikelnummer 4452, in FMZ-Ausführung unter der Artikelnummer 6 4452. Die Zwischenwagen besaßen die Artikelnummern 4453, 4454, 4455, 4456, 4457 und 4458.
Auch im Intercity- und Eurocityverkehr gab es nun einen Steuerwagen in den Produktfarben (Art.-Nr. 5117). Bauartbedingt waren die Wagenübergänge mit Gummiwulsten ausgeführt.
Bei den Doppelstockwagen in Regionalverkehrsfarben gab es eine weitere limitierte Sonderserie (Art.-Nr. 98 5125).

Nun besitzt mein Katalogsortiment einige Lücken. In meinem nächsten Katalog 2001/2002 sind unter den Artikelnummern 5643, 5644 und 5645 drei Waggons in Regionalverkehrsfarben abgebildet (Ex-Silberlinge, Längenmaßstab 1:93,5). Das genaue Erscheinungsdatum ist mir nicht bekannt.

Sollte ich nichts übersehen haben, dürften erst im Jahre 2014 Waggons in Produktfarben erschienen sein. Diese Interregio-Waggons mit DBAG-Emblem habe ich allerdings auch erst hier im Forum kennengelernt (>hier klicken<). Die Artikelnummern sind mir nicht bekannt.


Vielleicht interessiert jemand diese Aufstellungen, der diese Ära der Bahn für sein Anlagenthema gewählt hat. Dann hoffe ich, dass ich ihm eine grobe Übersicht geben konnte (der Text ist leider länger geworden als ich wollte).


Gruß Martin


papa blech und Pikologe haben sich bedankt!
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Fleischmann - Reisezüge in den Produktfarben

#2 von Siegstrecke , 19.01.2022 00:16

Hallo zusammen,

meine persönlichen Eindrücke zu den Fleischmann-Modellen in Produktfarben wollte ich in einem separaten Beitrag schreiben. Leider artet das wohl in eine Nachtschicht aus, da das Thema doch umfangreicher war, als ich es gedacht hatte. Auch wäre Beitrag #1 bestimmt angenehmer und einfacher zu lesen, wenn er mit Bildern bestückt wäre. Bis auf ein paar alte und schlechte Fotoaufnahmen ist bei mir aus dieser Ära allerdings nichts mehr vorhanden. Somit entschuldige ich mich jetzt schon einmal bei Moderator und Administratoren, die diesen "Schmarrn" schließlich lesen müssen (um einen brillant scharfzüngigen und im FAM bekannten Admin einmal zu zitieren😊).

Ich habe kein gutes Verhältnis zu den Produktfarben (Vorbild und Modell). Es war am Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre der langweiligste Zugbetrieb auf meiner Anlage. Durch die Festlegung der Waggons auf eine Zugart war der Spielbetrieb ziemlich eintönig und wenig abwechslungsreich. Ich empfand es als Korsett.
Die Modelle von Fleischmann waren sehr schön. Da ich sie auch immer pfleglich behandelte, sahen sie auch Jahre später neuwertig aus. Dadurch wirkten sie allerdings auf der Anlage wie vom anderen Stern. Güterwagen, Gebäude und Fahrzeuge bildeten durch ihre verschiedenen (auch unsauberen) Farben ein harmonisches Bild. Strahlend hell (und somit absolut unecht) durchpflügten die Reisezugwagen die Szenerie. Ich fand es bescheiden.

Die Reisezugwagen in den Produktfarben waren die ersten Modelle, die ich mir im größeren Stil leisten konnte (durch Zeitungen austragen). Da das Vorbild im Begriff war, seine Fahrzeuge umzulackieren, entschloss ich mich, direkt neulackierte Fahrzeuge zu beschaffen. Somit verzichtete ich dadurch auf die Modelle in der klassischen Farbgebung der Epoche IV (Längenmaßstab 1:100). Als das Vorbild sich entschied, seine Modelle umzubeschriften und eine Umlackierung plante, zog ich die Reißleine. Ich wollte kein Geld mehr in Modelle investieren, mit denen ich sowieso nicht "warm" wurde.
Nun kam aber das Problem auf, dass die Modelle im Längenmaßstab 1:100 bei Fleischmann aus dem Sortiment verschwanden (an Ebay war ja noch nicht zu denken - jedenfalls bei mir nicht). Somit ging ich auf den neuen Längenmaßstab 1:93,5. Natürlich bin ich damit auch voll zufrieden! Jedoch schiele ich gerne nach den begehrten Modellen meiner Kindheit aus der klassischen Epoche IV im Längenmaßstab 1:100. Irgendwie gebe ich den Produktfarben ein wenig die Schuld für diese Entwicklung.

Sehr schöne Modelle, jedoch passen Vorbildkonzept und Umsetzung nicht zu meiner modellbahnerischen Vorstellung.


Gruß Martin


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RE: Fleischmann - Reisezüge in den Produktfarben

#3 von Siegstrecke , 12.07.2022 14:15

Hallo,

leider ist mein Bericht im Beitrag #1 doch nicht vollständig gewesen. Nun ist mir tatsächlich ein weiterer Waggon in den Produktfarben aufgefallen (Art.-Nr. 5829).
Im Jahre 1990 erschien als Einmalserie ein Waggon der Deutschen Bundespost in den damaligen neuen Farben. Leider ist es mir nicht möglich, die RAL-Farbgebung mit Sicherheit zu bestimmen. Die Grundfarbe ist natürlich das stets verwendete Lichtgrau (RAL 7035). Im Zierstreifen könnte der Farbton Fenstergrau (RAL 7040) verwendet worden sein, wenn dieser mit der Dachfarbe übereinstimmt. Ob das Fensterband in Mausgrau, Betongrau oder Achatgrau gehalten war, entschließt sich meiner Kenntnis. Vielleicht weiß auch jemand mehr darüber und ich liege mit meiner Einschätzung falsch.
Ich glaube, dass ich den Waggon noch nie real in einem Schaufenster oder einer Messe gesehen habe.
IMG-20220712-WA0000.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Auch beim Vorbild erinnere ich mich nicht, diesen Waggon erblickt zu haben. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Einzelgänger des DB-Design-Centers war. Schließlich war der Waggon im Besitz der Bundespost und die interessierte sich bekanntlich wenig für die Farbexperimente der Bundesbahn. Ich gehe davon aus, dass die DB bei der DBP einmal höflich nachgefragt hatte und auch die Kosten auf sich genommen hatte (wenn keine turnusmäßige Neulackierung für den Wagen anstand).


Gruß Martin


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RE: Fleischmann - Reisezüge in den Produktfarben

#4 von svenman , 24.07.2022 16:53

Zitat von Siegstrecke im Beitrag #3
Auch beim Vorbild erinnere ich mich nicht, diesen Waggon erblickt zu haben. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Einzelgänger des DB-Design-Centers war. Schließlich war der Waggon im Besitz der Bundespost und die interessierte sich bekanntlich wenig für die Farbexperimente der Bundesbahn. Ich gehe davon aus, dass die DB bei der DBP einmal höflich nachgefragt hatte und auch die Kosten auf sich genommen hatte (wenn keine turnusmäßige Neulackierung für den Wagen anstand).

Hallo Martin,

das war soviel ich weiß sogar nur ein Designentwurf geblieben, der in 1:1 nicht mal als ein Einzelstück umgesetzt wurde.

Später in den Neunzigern kehrte die inzwischen privatisierte Deutsche Post AG sogar dazu zurück, ihre Postwagen in chromoxidgrün lackieren zu lassen. Nur der Schriftzug und das moderne Posthorn-Logo ließen dann erkennen, dass es sich nicht um einen gut erhaltenen Überlebenden aus der frühen Siebzigern handelte. Aber lange sollte es dann ja leider nicht mehr dauern, bis die Post AG der Briefpostbeförderung auf der Schiene gänzlich den Rücken kehrte.


Viele Grüße
Sven


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