Reparatur einer Fleischmann Drehscheibe 1780

#1 von Gelöschtes Mitglied , 19.05.2021 23:38

Guten Abend liebe Fleischmann-Interessierten,

Vor kurzem durfte ich für einen sehr angenehmen Kollegen eine Drehscheibe technisch herrichten. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich möchte meine Arbeit gerne zur Diskussion stellen. Was kann ich besser machen? Worauf sollte man sonst noch achten? Aber los geht's:

Bestandsaufnahme.

Der Inhalt war bis auf den einen Gleisaufgang vollständig. Das Dach des Maschinenhauses war nicht verbogen und die Seitenwände sahen sehr gut aus. Nur Bühnenseitig leichte Gebrauchsspuren und ein kleiner Ratscher auf dem Dach. Die Substanz war also insgesamt gut bis sehr gut.




Auch der Drehscheibenschalter war in einem guten Zustand. Die Farbmarkierungen waren schön erhalten. Die Blechklemmen haben nur oberflächlichen Rost. Das kenne ich auch anders. Die sind manchmal kurz davor, durchzurosten.



Die Auffälligsten Mängel waren natürlich bei den Gleisabgängen zu finden. Klare Schwachstelle der 1780er. Selten wird mal eine - an den Gleisabgängen unverbastelte - Scheibe angeboten. Wegen der dünnen Schwellenbänder bleiben Abbrüche nunmal nicht aus. Die weißen Stellen sind Ausblühungen von Sekundenkleber. Ergo wurde auch vorher schon fleißig an der Scheibe herumgeklebt.







Die Unterseite sah noch top aus



Erstes Fazit: Die 1780 wurde von 1958-1971 gebaut. Augrund des Stempels unter dem Schaltpult kann dieses Exemplar auf 1967 datiert werden. Insgesamt ist die Substanz klasse erhalten. Auch meine größte Sorge, die Haftreifen waren kein Problem. Ich habe selten so gut erhaltene Haftreifen aus den 60er / 70er Jahren gesehen. Diese hier haben noch richtig gripp und sahen tadellos aus. Ich vermute, die Drehscheibe ist nicht viel gelaufen

Nächster Schritt: technische Prüfung.

Das Unterstromsetzen der Drehscheibe hat gezeigt, dass der Motor grundsätzlich funktioniert und die Drehbühne sich, wenn auch leidlich, auf Betätigung des Schalters in Bewegung setzt. Es gab hier und da Kontaktprobleme, die sich mit einem Hauch Kontakt 60 schon fürs erste überwinden ließen, um einen Test machen zu können.

Die Kollektoren des Motors sehen gebraucht aus. Daher muss auch der Motor aufgeschraubt, die Kollektoren gereinigt und neue Kohlebürsten eingesetz werden. Das Isolierband um die "Entstördrosseln" sieht nach 5 Jahrzehnten leider etwas ranzig aus. Ich werde es ersetzen.



Der Elektromagnet funktionierte tadellos. Da musste nichts dran gemacht werden.



Noch ein Problem hat sich gezeigt: Der rote Klemmkontakt an der Drehscheibe hat leider nicht mehr die normale Spannkraft. Die Klemme wird wahrscheinlich irgendwann abbrechen. Wie oben angedeutet, sind diese Klemmen leider ein Schwachpunkt bei GFN.



So sieht der Motor erstmal aus:



Also aufschrauben und soweit nötig in die Einzelteile zerlegen.
Zuerst die Kohlebürsten entnehmen, dann das Motorschild abschrauben...




Dann den Ringmagneten abnehmen, vorher eine Position markieren (weißer Klecks Acrylfarbe).



Danke an die Firma Preiser für die geniale Kleinteile ablage ;)



Die Kollektoren des Motors haben etwas Schmutz angesammelt und das Isolierband um die Entstördrosseln sieht nicht mehr schön aus.



Das Isolierband durch Schrumpfschlauch ersetzen. Das hält dauerhaft und gibt zudem den lose aufgewickelten Drosselspulen stabilität. Den mini Heißluftfön gibt's bei eBay für 10 Euro. Habe selten ein so hilfreiches Werkzeug für so wenig Geld bestellt.




Nun zur Reinigung.
Die Kupferflächen, die Bürstenhülsen und die Achsaufnahme reinige ich mit Kontakt 60 und einem Mirco-Brush aus dem Airbrushbedarf.
Da ist richtig Dreck runter gekommen. Aber ich bleibe dabei: Die Drehscheibe ist noch nicht viel gelaufen, sonst sähe das noch ganz anders aus.




Alle Motorteile gereinigt wieder zusammenbauen.



Neue Kohlebürsten in den Motor.



Getriebeseitig wird mit einem winzigen Quantum Robbe 5532 gefettet. Das hält sehr lange und verharzt nicht.



Nun noch die Schleifkontakte der Drehbühne reinigen.



Jetzt geht's auch schon an die Auffahrten.
Ich hatte ausreichend Ersatzteile vorrätig, um alle Auffahrten wieder herzustellen. Auf Bastelarbeiten samt Einsatz von Klebstoff konnte ich aber leider nicht verzichten. Das ist vielleicht etwas unorthodox, aber meiner Meinung nach ist das dem Gesamtwert entsprechend gut gelöst. Andernfalls hätte man noch extra eine oder zwei Drehscheiben nur der Ersatz-Auffahrten wegen kaufen müssen und das wäre dann schon ein übertriebener Kostenaufwand. Dann kann man besser gleich nach einem entsprechend erhaltenen Exemplar suchen. Ich war im Anschluss bemüht, die Klebestellen mit kleinen Tupfern Acrylfarbe unsichtbar zu machen.






Mechanisch und elektronisch läuft die Drehscheibe jetzt wie frisch vom Band. Einfach klasse, dieses schöne alte Teil in Bewegung zu sehen....

Nun mussten nur noch die Gleisfunktionen durchgemessen werden. Wegen der teilweise geklebten Schwellen war der Kontakt zwischen der technischen Masse und der elektrischen Masse der Gleisanschlüsse nicht immer tadellos. Daher habe ich die Masse-Schienen auf der Lokschuppenseite durchgeschleift. Nochmal durchmessen: Jetzt ist sie voll einsatzbereit.



Dieses Modell wurde übrigens ohne Stromversorgung der einzelnen Lokschuppengleise ausgeliefert. Die Bedienungsanleitung sieht vor, dass man die Gleisanschlüsse über je einen Schalter mit Strom versorgt. Der Gleis-Anschluss A versorgt lediglich die Drehbühne mit Fahrstrom. Alle anderen Gleisabgänge bedürfen einer Zuschaltung.



Ich würde mich über Feedback und einen Erfahrungsaustausch mit der Drehscheiben-Reparatur in diesem Thread sehr freuen.
Viele Grüße,
Bernd


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RE: Reparatur einer Fleischmann Drehscheibe 1780

#2 von volvospeed , 21.05.2021 12:32

Hallo zusammen,

da schließe ich mich doch gerne mal an....
Meine Arbeitsschritte, waren die selben wie hier ( sehr gut ) beschrieben, daher spare ich mir nun mal eine weitere Ausführung dazu. Aufgrund des Zustands wurde es aber keine optische Restauration, sondern eher ein Umbau.

Vor einiger Zeit ( 08/2020 ) kam ein Kollege mit einer uralten Fleischmann Drehscheibe 1780 in einem absolut desolaten Zustand an und fragte, ob ich sie reparieren könnte. Die Technik funktionierte nicht mehr, der Schalter dazu fehlte, einige Schienenprofile wurden herausgerissen und waren nicht mehr vorhanden, ebenso fehlte auch die Hütte darauf. Kurzum , ein Totalschaden, wesentlich Schlimmer, als Deine vom Zustand her, der wirklich nur noch für die Tonne taugte. Eigentlich wollte ich sie auch entsorgen, stattdessen legte ich sie aber erstmal weg. Die Tage suchte ich was zu basteln und mir fiel das Teil abermals in die Hand. Nun die Technik ist leider nicht mehr zu reparieren, auch lohnt es sich nicht hier noch irgendeinen Cent reinzustecken, zumal es gute und funktionsfähige Exemplare noch in der Bucht gibt.
Ich machte mich daran, die Drehscheibe wenigstens optisch zu renovieren, um sie in einem Diorama einsetzen zu können. Aber auch dieses war mit sehr viel Arbeit verbunden. Alle Gleisprofile ersetzte ich gegen Piko A ( hatte ich noch Reste da ) , die Hütte erstellte ich aus PS selbst ( sie muß noch verglast werden ), Riffelplatten erstellte ich ebenfalls selbst aus PS. Dann wurde die Bühne mit Echtholz ( Abachi ) belegt und gebeizt ) und letzlich das Ganze farblich überarbeitet. Der Teller selbst wurde, weil er schon sehr unansehnlich war komplett neu lackiert und die Grube versah ich mit feinstem Split und etwas Unkraut.

aber seht selbst...

Die Hütte wird an den Originalbefestigungspunkten mit M2 Schrauben befestigt. Fenster und Tür stammen aus der Bastelkiste



Die Tellermine erstrahlt bereits in neuer Farbe, ich nahm hierzu Revell 77



feines Sandpapier in Streifen geschnitten und aufgeklebt, imitiert Dachpappe



Das Riffelblech fertigte ich aus 1mm PS-Platten mit einem Skalpell und Geodreieck. Nicht Highend, aber dafür Selfmade *grins



Die Holzbohlen schnitt ich aus 1,5mm Abachi Holz und klebte sie auf



Hier im Bereich des Wärterhäuschens



sogar eine 44er paßt auf die Scheibe. Das Holz beitze ich in Rustikal und bearbeitete es weiter mit Mattschwarz,-braun und Glanzsschwarz. Die restliche Bühne wurde ebenfalls komplett patiniert




Nachdem die Tellermine gut durchgetrocknet war, versah ich sie mit feinem Split, sowie etwas Unkraut, weitere Gestaltung des Teils selbst erfolgt, wenn ich weiß was ich damit machen werde.



paar Zusatzbilder








Mit freundlichen Grüßen
Manuel

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zuletzt bearbeitet 21.05.2021 | Top

RE: Reparatur einer Fleischmann Drehscheibe 1780

#3 von Gelöschtes Mitglied , 21.05.2021 13:08

Guten Tag Manuel,
die Drehscheibe hast Du wirklich top hergerichtet. Besonders gefällt mir das selbstgebastelte Maschinenhaus!
Eine Frage zur Lackierung: Hast Du die Gleisabgänge vor dem Lackieren alle abmontiert? Oder hast Du die Schwellen abgeklebt? Oder hast Du rund um die Schwellen mit dem Pinsel gearbeitet? Ich frage deshalb, weil ich noch zwei verschiedene Ausführungen dieser Drehscheibe hier liegen habe, beide sind sehr abgerockt und könnten gut etwas Farbe vertragen. Am besten wäre es natürlich, die (noch vorhandenen) Abgänge abzumontieren. Aber ich finde es ziemlich nervig, vor allem auch, sie dann wieder anzumontieren mit diesen kleinen Laschen, die dann irgendwie nicht so recht wieder in Form gebogen werden wollen...
Viele Grüße,
Bernd


Knolle hat sich bedankt!
zuletzt bearbeitet 21.05.2021 13:53 | Top

RE: Reparatur einer Fleischmann Drehscheibe 1780

#4 von volvospeed , 22.05.2021 19:54

Hallo Bernd,

vielen Dank. Nein, ich habe tatsächlich mit einem 5/0 er Pinsel rundherum gepinselt. Ich wollte die Laschen nicht lösen, zudem habe ich die ausgerissenen Schienenteile fest verlötet


Mit freundlichen Grüßen
Manuel

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