Hallo O-Gaugers,
es ist mal wieder Zeit, ein paar Wagen zu vergleichen. Ich habe hier neu einen Boxcar von Menards, den ich gerne mit einem auffallend ähnlichen Wagen von Williams vergleichen würde. Zunächst einmal, wer ist eigentlich Menards? Menards ist ein "Hardware-Store", eine Art Baumarkt mit Vollsortiment, in der Art, wie wir es von Obi, Hornbach oder Hagebau kennen. Der Manager hat ein Faible für Modelleisenbahnen, das ist nicht schlecht. Insbesondere, wenn man das Faible als Motivation nimmt, und anfängt, Modelle, Zubehör, Gleismaterial zu fertigen und dies dem gemeinen Verbraucher zu günstigen Preisen anzubieten. Seit Mitte der 2000er, als K-Line begraben wurde, etwas später Williams an Bachmann ging und damit die preiswerten Hersteller plötzlich weg waren, klaffte hier ein Loch. Wie gesagt, der Manager von Menards, einem Hardware-Store, der vorwiegend in den nordöstlichen Staaten angesiedelt ist, versuchte ab ca. 2012 (nagelt mich nicht fest), hier einzusteigen. Zunächst gab es Güterwagen, Zubehör, Fertighäuser und ein Tinplate-Gleissystem, allerdings ohne Weichen, aktuell auch eine EMD F7 Diesellok von fragwürdiger Qualität. Damit war und ist Menards der einzige Hersteller (Vertreiber) von Tinplate-Schienen in den USA, nachdem die anderen Hersteller die Produktion eingestellt hatten oder selbst von der Bildfläche verschwanden.
Hartnäckig hält sich in US-Foren die Meinung, daß die Güterwagen von Menards aus den Williams-Formen produziert werden, die aus dem Fundus von AMT/Kris stammen. Das schauen wir uns jetzt mal an. Jetzt ist es so, daß Menards Modelle nur bei Menards im Laden verkauft werden und die haben keinen internationalen Versand. Deshalb braucht man entweder Kontakte in den USA, die vorzugsweise in der Nähe eines Menards-Ladens leben, oder man bedient sich im Rahmen eines Urlaubs, oder man schaut mal auf dem Gebrauchtmarkt, was angeboten wird. Mein letzter USA-Urlaub war vergangenen Sommer, allerdings in einer Gegend, in der es keinen Menards gab. Aber bei eBay bin ich dann fündig geworden und der folgende Wagen wechselte für 16€ den Besitzer, allerdings zu beträchtlichen Frachtkosten. Menards bietet günstige Modelle in vorwiegend phantasievollen Farbgebungen an, die oftmals mit dem Vorbild wenig gemein haben. So auch mein New Haven Boxcar. Schön anzusehen ist er.

Dann zum Vergleich der Wagen von Williams (AMT). Die Drehgestelle sind unterschiedlich, allerdings hatte Williams/Bachmann in späteren Jahren detailliertere Ausführungen, die denen von Menards sehr ähnlich sind.

Kommen wir zu den Details, da sieht man schon erste Unterschiede. Die Nietreihe unter dem "Do not Hump" Schild ist bei Menards exakt und gerade, bei Williams irgendwie etwas ungenau. Auch die Sicken sind zwar grundsätzlich gleich, bei Williams ist immer die etwas ausgelutschte Form erkennbar.

Beide Wagen auf einem Bild, insbesondere der Unterboden mit dem Fishbelly-Träger und dem komischen Gerät ist identisch, auch in der Machart.

Legt man die Wagen aufeinander, dann ist der Menardswagen ca. 2mm länger am Roofwalk und etwa 1mm am Gehäuse.

Blick aufs Dach, am Riffelblech, das nach links in Richtung Leiter führt, ist eine Griffstange, die unterschiedliche Längen hat. Das Riffelblech selbst ist bei Menards scharfkantiger nachgebildet.

Das Podest am Bremsrad weist auch leichte Unterschiede bei beiden Modellen auf.

Hersteller von Williams war früher Sanda Kan, die wurden von Kader Industries aufgekauft, der Muttergesellschaft von Bachmann. Menards läßt wohl bei einer Firma "Golden Wheel" fertigen. Da Williams ja mittlerweile fast komplett eingestellt ist, dürfte es Bachmann auch wenig stören, daß hier recht dreiste Kopien seiner Modelle im Umlauf sind, zumal ja Williams selbst für Reproduktionen von Lionel-Artikeln verantwortlich war. Die Menardswagen werden oft wegen ihrer oft etwas schlampigen Machart kritisiert. Mein New Haven ist ein Wackelwagen, der nicht stabil auf den Gleisen steht (keine Ahnung, wie das bei anderen Boxcars von dieser Firma ist). Auf der anderen Seite sind die Preise sehr günstig.
Auf der Webseite von Menards kann man sich ein Bild des Angebots machen, und vielleicht der "reichen Tante in Amerika" einen Wunschzettel überbringen.
Schönen gruß,
Martin