Das schnelle Sterben des US-Programms der großen Hersteller (Minitrix, Arnold)

#1 von Lucky Lutz , 17.03.2021 21:17

Hallo zusammen,

eigentlich sollte das hier kein eigener Thread werden, sondern nur ein Post zu Werners, Markus' und Ulis Ausführungen hier: Arnold Western Personenwagen 0361 und 0362, aber irgendwie wurde es länger und länger und dann zu sehr offtopic zum anderen Thema, so dass ein eigener Thread besser ist denke ich:

Eine meiner ersten Loks war die Minitrix 2951 F7 Santa Fe, die ich auch heute noch habe. Ich hatte daher auch immer ein Auge auf US-Material.

Arnold ist ja schon ganz früh mit erstaunlich viel US-Material gestartet und Minitrix hatte 1967 die Union Pacific F7 mit und ohne Motor sowie vier Güterwagen im Programm. 1968 waren es dann bereits F7-Ausführungen mit und ohne Motor sowie Zusatzeinheit von sechs (!) verschiedenen Bahngesellschaften, drei verschiedene Personenwagen von vier Bahngesellschaften sowie neun verschiedene Güterwagen von bis zu sechs unterschiedlichen Bahngesellschaften pro Güterwagen mit insgesamt 25 (!) verschiedenen Bahngesellschaften bzw. Marken. Auf dem Deckblatt des 68er Katalogs waren vier von zwölf Loks US-Modelle. Bis 1970 hat sich das Programm dann nochmal vergrößert mit weiteren Dampfloks und sehr vielen weiteren Güterwagen (produziert von Roco - am Wagenboden stand dann "Trix Austria").

Bereits 1972 war das Programm deutlich abgespeckt, 1974 bereits keine Personen- und Güterwagen mehr vorhanden und 1976 nur noch vier Loks, eine Dampf- und drei Dieselloks. Später sind dann immer wieder mal sporadisch US-Modelle in den Katalogen aufgetaucht.

Bei Arnold war die Entwicklung im Grunde genommen ähnlich: Früh dabei mit dann immer größerer Vielfalt, bis dann Anfang der 70er Jahre das Programm schmaler wird. Waren vormals noch ganze Seiten im Arnold-Katalog nur dem US-Programm gewidmet, fand sich im Katalog 1975/76 nur noch eine traurige halbe Seite ohne Artikelnummer mit dem Hinweis: "Wir senden Ihnen die unverbindliche Vorratsliste ... auf Anfrage gegen Freiumschlag."






Klingt nach Abverkauf. Später kamen zwar nochmal "US-Oldies" mit alten Dampfloks und mehr oder weniger passenden Wagen, aber zu alter Pracht ist das Programm nicht mehr aufgelaufen.

Grund war bei beiden die Entwicklung des Dollar-Kurses, der das Geschäft einfach nicht mehr profitabel sein ließ. Lag der Dollar-Kurs 1967 und 1968 noch stabil bei DM 3,99 ging es in den Folgejahren steil bergab:

1969: DM 3,92
1970: DM 3,65
1971: DM 3,48
1972: DM 3,19
1973: DM 2,66
1974: DM 2,59
1975: DM 2,46

Die Kurse aus den 1960 er Jahren wurden nie wieder erreicht und letztmals gab es dann 1985 einen kurzen Höhenflug von bis zu DM 2,94.

Verschärft wurde das ganze noch durch die in Deutschland in diesen Jahren steil ansteigende Inflation von unter 2% in den Jahren 1967-69 auf über 7% im Jahr 1973, dem Höhepunkt der ersten Ölkrise:

1969: 1,8 %
1970: 3,6 %
1971: 5,2 %
1972: 5,4 %
1973: 7,1 %
1974: 6,9 %
1975: 6,0 %

Die US-Modelle der deutschen Hersteller waren damit innerhalb weniger Jahre deutlich teurer geworden - zu teuer. Das waren die beiden Sargnägel für das US-Programm, denn allein die Nachfrage aus DACH/Europa für US-Modelle war dann doch zu wenig.

Viele Grüße

Lutz


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RE: Das schnelle Sterben des US-Programms der großen Hersteller (Minitrix, Arnold)

#2 von dabbelju , 17.03.2021 21:59

Zitat von Lucky Lutz im Beitrag #1
Hallo zusammen,


Die US-Modelle der deutschen Hersteller waren damit innerhalb weniger Jahre deutlich teurer geworden - zu teuer. Das waren die beiden Sargnägel für das US-Programm, denn allein die Nachfrage aus DACH/Europa für US-Modelle war dann doch zu wenig.

Viele Grüße

Lutz


Interessante Ausführungen - so war es wohl: es ließ sich rein kommerziell nicht mehrdarstellen! Mit Label ROCO kenne ich in N keine US-Modelle, anders als in 0 beispielsweise. Die Salzburger machten wohl Auftragsfertigung für amerikanische Unternehmen, was N angeht.

"die Nachfrage aus D A CH .." das sind wohl die Länder mit einem gewissen Amerika Faible. Toll war jedesmal die durchgestylte Versammlung der "American Railroadfans in Switzerland", in einem Schulzentrum nahe Zürich. Da war ich natürlich Stammgast, besonders in der Zeit wo unsere Tochter in Zürich lebte. An einen einen tollen Laden für US-Modellbahnen erinnere ich mich, in Stäfa am Zürichsee. Dort hatte ich eine schöne (Vinyl) Schallplatte mit Musik etc erworben. Unter Anderem war eine schaurige Vertonung von "President Roosevelts Funeral Train" dabei: Herzzerreissendes Dauerheulen der Zugpfeife mit tiefen Tönen während der Überführungsfahrt des Leichnams mit diesem Zug - der gute Altmeister Casey Jones war ein Waisenknabe gegen diesen Lokführer! Und dazu begräbnismäßige Country-Music im Hintergrund.

Uli


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RE: Das schnelle Sterben des US-Programms der großen Hersteller (Minitrix, Arnold)

#3 von kilowatt , 18.03.2021 12:50

Yee-haw!

Die Arnold-Kataloge 1996/97 bis 1999/2000 zeigten das von Rivarossi übernommene US-Programm, der letztgenannte Katalog enthielt 14 US-Seiten.


HOWGH!

Klaus


Bilder vom Bau unserer Anlage seht ihr hier:

https://www.mobablog.info/bloglist.php?user=452


 
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RE: Das schnelle Sterben des US-Programms der großen Hersteller (Minitrix, Arnold)

#4 von Lucky Lutz , 18.03.2021 21:48

Hallo Uli,

Zitat
Mit Label ROCO kenne ich in N keine US-Modelle,



ich kenne zumindest ein US-Modell von Roco, das auch unter dem Label läuft:

Roco 3159S / 31590 (?) ALCO FA-1 Great Northern

VIele Grüße

Lutz


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RE: Das schnelle Sterben des US-Programms der großen Hersteller (Minitrix, Arnold)

#5 von volvospeed , 19.03.2021 13:20

Hallo zusammen,

sehr interessantes Thema. Eben bei der Recherche nach der Minitrix T3, fiel mir im Katalog auf, das der Hersteller auch extrem viel britische Fahrzeuge im Programm hatte. Wer weiß mehr darüber und kann vielleicht in einem separaten Bericht, darüber etwas sagen ?

Die beiden Wagen im Post #1 hatte ich gehabt, das war vor ca 3 Jahren. Damals hatte ich mit N noch überhaupt nix am Hut und wußte nix damit anzufangen. Ich Dussel hab sie verschenkt.


Mit freundlichen Grüßen von der oberen Nahe
Manuel

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