Carette-Katalog 1911

#1 von Udo , 09.09.2015 12:14

Hallo,

von dem Carette-Katalog von 1911 gibt es Nachdrucke von 1975-1976-1979. Der Katalog hat etwa 260 Seiten, entspricht also dem Original-Katalog und ist auch wie der Original-Katalog als Hartcover gebunden. Die Größe beträgt etwa 24 x 30 cm; es ist also schon ein umfangreiches Werk. Im Anhang finden sich noch etliche Seiten von Nachträgen bzw. Neuheiten aus dem Jahr 1905 und 1914. Es scheint in Bezug auf die Seitennummerierung so zu sein, dass diese Nachträge bei Sammlern nicht vollständig vorhanden gewesen sind.

Diese Nachdrucke werden auch immer wieder angeboten, aber immer so in der Preislage von 300 bis 400 Euro. Dann habe ich gesehen, dass auf einer Auktion so ein Katalog zu einem Zuschlagspreis von 50 Euro weg ging. Plus Aufgeld, Versand usw. macht das einen Preis von vllt 70 Euro aus. Dadurch animiert, schaute ich mal bei Google nach und wurde fündig. Aus GB wurde so ein Katalog für 62 Euro plus 20 Euro versicherter Versand angeboten. Ich habe dieses Buch gekauft, und inzwischen ist es eingetroffen.



Was für eine Freude, in diesen Katalog zu blättern. Welche Vielfalt, welche Qualität ! Auch Märklin und BING und andere Hersteller haben zu dieser Zeit angefangen, schöne Lokomotiven zu bauen, aber der Auslöser für diese Qualitätsverbesserung dürfte Carette mit seinen Verkaufserfolgen sein, die er international erreichte, weil er Wünschen seiner britischen Händler nachkam und modellgerecht baute. Ja, Carette wies in seinen Beschreibungen darauf hin, dass sein Modell in etwa dem Original soundso entsprach.

Ich wage zu behaupten, dass Carette (er war immer noch französischer Staatsbürger und floh deshalb zu Beginn des Krieges mit seiner deutschen Frau und Kindern über die Schweiz nach Frankreich) ohne diesen unseligen 1. Weltkrieg einer der führenden deutschen Spielzeugbauer geworden wäre, so gut war seine Qualität und auch die Größe seiner Modelle, nach britischem Wunsch länger und vor allem breiter. Ich bin überzeugt, Carette hätte Märklin und BING abgehängt. Aber es kam anders. Die Carette-Werke wurden 1917 geschlossen und der Ausverkauf begann, der sich übrigens bis Anfang der 30-er Jahre erstreckte. Ich habe das genaue Jahr nicht mehr im Kopf. 1934 ?

Wer sich diesen Nachdruck vom Carette-Katalog anschaut, weiß, von was ich rede.







Die jetzt folgenden Lokomotiven wurden mit Dampf angetrieben. Im Jahre 1911 in dieser Qualität !









Und da habe ich noch eine Frage: Dummerweise habe ich mir das seinerzeit nicht notiert. Es gab, in Australien oder Neuseeland gedruckt, mal einen Katalog mit den Abbildungen aller Carette-Loks und Waggons usw.. War ziemlich teuer, aber richtig umfangreich. Wer kann mir sagen, wie dieses Buch genau heißt ?

Schönen Gruß
Udo


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#2 von caepsele , 09.09.2015 19:50

Hallo Udo!

Bassett-lowke als Modellbaupionier hat Carette, wie auch Bing, die Vorgaben für die anspruchsvolleren Modelle für den englischen Markt gegeben.

Da empfehle ich das Buch "The B-L Story", da findet man die Carette und Bing Modelle wieder.

Übrigens ist lt. Ignaz Bing seiner Biographie Carette sein Zögling gewesen, den er wohl anfangs unterstützte.

Gruß
Harry


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#3 von Udo , 09.09.2015 23:10

Hallo, Harry,

es scheint wohl ursprünglich so gewesen zu sein, dass der Vater von George Carette seinen Sohn öfters mit nach Nürnberg nahm, weil er ein Bekannter von Ignatz Bing war. In Nürnberg lernte Georges Carette die Tochter des Brauereibesitzers Lederer kennen, die er später heiratete. Durch die Bekanntschaft mit Bing wurde er wohl von Bing ermuntert, auch Spielzeug herzustellen. Dazu gründete Carette 1886 eine Firma und nutzte ein Fabrikteil von BING für seine Produktion.

Anfangs waren noch Ignatz Bing und Adolf Bing an der Firma Carette beteiligt. Hergestellt wurden zuerst nur Teile für BING, dann aber baute er eigenes Spielzeug. Einen riesigen Erfolg erzielte er 1893 auf der World Columbian Exposition in Chicago, wo er Straßenbahnen vorführte, die über die funktionierenden Oberleitung mit Schwachstrom betrieben wurden. Dieser Erfolg war der Durchbruch für eine umfangreiche Spielzeugproduktion. 1895 schieden die beiden Bing-Brüder wieder aus der Carette-Firma aus, und Carette war von da an Alleinbesitzer.

An dem weiteren Erfolg waren die Briten und hier die Firma Basset-Lowke beteiligt, wie du richtig schreibst. Das muss man sich mal vorstellen: In einer Zeit, in dem jedes Volk sein eigenes Süppchen kochte, läßt sich ein in Deutschland lebender Franzose von Briten überzeugen, modellgerechte Spielzeuge auf den Markt zu bringen. Vor allem für den britischen Markt, womit er ja eigentlich ein Mitbewerber oder sogar ein Konkurent wurde. Aber iwie ging das damals, und zwar mit umwerfendem Erfolg.

Carette hatte ja international Erfolg und Niederlassungen in London, Paris, Berlin, Hamburg und Wien. Zusätzlich hat er einen großen Umsatz in Australien erzielen können, und einer der Nachfolger der Sammler hat ein umfangreiches Buch über die Eisenbahnen von Carette herausgebracht, weil er Zugriff auf viele Sammlungen in Australien hatte. Dieses Buch suche ich. Wer kennt es und kann mir Titel und Autor nennen ?

Schönen Gruß
Udo


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#4 von Blech , 10.09.2015 08:28

Udo, Harry,
wenn ihr die Erinnerungen von Ignaz Bing (Aus meinem Leben/Cieslik) gelesen habt, seht ihr Georges Carette völlig anders.
Der gute Herr Bing sen. lässt in seiner Erinnerung kein gutes Haar an seinem Zögling.
Da bleibt nichts von einem erfolgreichen Fabrikanten.
Ich habe übrigens noch mit seiner Enkelin gesprochen, die einmal unseren GTM als Ehrengast besucht hat.
Wir, Carlernst Baecker und ich, hatten auch Einsicht in seine Papiere -da waren nach dem WKI interessante Stempel:
Reisen nach Nürnberg, Leipzig oder Köln. Nürnberg und Leipzig -klar, aber Köln? Und das gleich mehrfach.
Einer seiner Söhne beschäftigte sich auch weiterhin mit Spielzeug.
Bei mir liegt die ganze Carette-Story aus der Hand der Enkelin -und die ist dokumentiert.
Und doch recht abweichend vom bisherigen Wissenstand.
Einsicht gerne, beim Frankfurter Stammtisch oder in Gaggenau.
Freundliche Grüße aus Hessen
Botho

Udo, das von dir gesuchte Buch ist mir unbekannt. Ich nutze das von dir vorgestellte Buch.
bgw


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RE: Carette-Katalog 1911

#5 von Udo , 10.09.2015 08:47

Hallo, Botho,

etwas hatte ich gehofft, dass du mir zum gesuchten Buch einen Hinweis geben könnte. So muss ich weiter im Internet suchen, um die Seite wiederzufinden.

Ja, dass das Ganze Carette / BING nicht gutgegangen ist, habe ich mir schon gedacht. Schließlich hat sich BING einen starken Mitbewerber im Spielzeugmarkt großgezogen. Erst nur als Teilelieferant angedacht, stellte der plötzlich tolles Spielzeug her und BING war im Zugzwang. Mutmaßlich wurden bei Carette auch Ideen umgesetzt, die zuerst bei BING entwickelt worden waren. Sicherlich war BING letztendlich froh, dass 1917 ein Konkurent weniger auf dem Markt war.

Ergänzend möchte ich noch mitteilen, dass Carette, aus der Nähe von Paris stammend, perfekt Deutsch sprach, weil seine Mutter aus Franken stammte. Diese Sprachgewandtheit hat ihm natürlich den Start in Deutschland erheblich erleichtert.

Wer weiß, was geworden wäre, wäre die Firma Carette nicht aufgelöst worden. Dadurch, dass er auch Spielzeug in höchster Qualität herstellte, die entsprechend teuer waren, hatte er international eine Klientel, die jederzeit das bezahlen konnte. Auch in der Zeit der Rezession, der Great Depression, wie die Amerikaner diese Zeit nennen, wäre ein Absatz, wenn auch beschränkt, immer möglich gewesen.

Schönen Gruß
Udo


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#6 von Blech , 10.09.2015 08:54

Udo,
gerade die kaufmännischen Fähigkeiten spricht Bing ihm ab.
Du solltest mal das kleine Cieslik-Buch lesen -da gibts noch mehr Nürnberger Überraschungen.
Hätten wir -Baecker, Jeanmaire, Dr. Väterlein, Haas, Kaiser und ich- dieses Bing-Vermächtnis damals gekannt, als wir unsere Bücher geschrieben haben,
wäre heute manche Nürnberger Story anders zu lesen -nicht nur die von Carette.
Schöne Grüße aus Hessen
Botho


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RE: Carette-Katalog 1911

#7 von Udo , 10.09.2015 10:36

Hallo,

Interessant ! Aber wer weiß, ob das alles so stimmt, was Ignaz Bing so geschrieben hat. Wenn ich mir den Katalog von Carette in Bezug auf Qualität und Angebot ansehe, kann ich mir mangelnde kaufmännische Fähigkeiten kaum vorstellen. Ich kann mir dagegen vorstellen, dass Carette gerade wegen seiner Spielzeuge einen Erfolg hatte.

Wer hat die Kundschaft, also vorneweg die jeweiligen Vertreter von Carette, nach der Produktionseinstellung übernommen ? Das dürfte doch wohl hauptsächlich BING gewesen sein. Es könnten aber auch andere Hersteller gewesen sein, mit denen Carette zusammengearbeitet hatte wie Issmayer, Karl Bub, Hess und Doll. Beim letzten Namen fällt mir übrigens ein, dass Carette um 1910 die Uhrwerke für seine Loks von Doll bezogen hatte, weil die so gut waren.

Jedenfalls, was die kaufmännischen Qualitäten von BING betraf, darf man nicht vergessen, dass Schwesterfirmen von BING wegen fehlendem Controlling in den USA durch betrügerische Machenschaften dortiger Händler und Großhändler Zahlungsschwierigkeiten in solch einem großen Ausmaß bekam, dass diese schließlich zur Stilllegung der Spielzeugproduktion bei BING führten.

Nachher kann man immer sagen: Hätten die das doch so und so gemacht. Aber nachher ist man immer klüger als vorher. Insgesamt ist es aber so, dass wir Sammler darüber froh sein können, dass es trotz unbändig spielender Kinder, trotz Kriege, trotz Feuer und Wasser und Lagerung über Jahrzehnte auf dem undichten Dachboden noch eine erstaunliche Vielfalt von Fahrzeugen gibt, die alles überlebt haben. Und so erfreuen wir uns an Eisenbahnen von Märklin, von BING und vielen anderen Herstellern, als Modell zu Hause oder als Bild oder wie hier im Forum schon gezeigt in Porsches TraumWerk.

Ich bin froh, dass ich mir vor noch nicht allzulanger Zeit die Modelleisenbahn als Hobby ausgesucht habe. Und: Wer froh ist, lebt mutmaßlich länger.

Schönen Gruß
Udo


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#8 von Blech , 10.09.2015 11:02

Udo -
das Buch der Ignaz Bing-Geschichte endet 1918 mit seinem Tod.
Botho


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RE: Carette-Katalog 1911

#9 von Udo , 10.09.2015 12:01

Sicherlich kann man Ignaz Bing nicht verantwortlich machen für das Dilemma, dass erst nach seinem Tod entstand, obwohl es durchaus sein kann, dass die Grundlagen für das fehlende Controlling noch zu seinen Lebzeiten gelegt wurden. Aber es war ja damals so (das gibt es wohl heute auch noch so, zumindestens in Köln mit dem sogenannten "Klüngel"), dass man den Leuten vertraute, denen man nahe stand. Die bekamen die Vertreterpöstchen, und sie lebten gut davon und überwiesen die eingenommen Beträge regelmäßig nach Nürnberg. Irgendwann mal etwas später und dann noch etwas später. Dazu irgendwelche vorrübergehenden "Zahlungsausfälle", die aber mit Sicherheit später, wenn auch in Raten, bezahlt würden. Und weil dann (angebliche) Raten kamen und nach Nürnberg weitergeleitet wurden, kam auch neue Ware von BING an die in Wirklichkeit pünktlich zahlenden Einzelhändler.

Mit den freigesetzten Geldern wurde nun eifrig spekuliert bis zum großen crash, dem "Schwarzen Freitag" vom 25.10.1929. An diesem Tag wurde das Ende der Spielzeugproduktion von BING eingeläutet. Das war nicht der einzige Punkt, der zum Untergang führte, aber der Auslöser. Und BING war nicht die einzige Firma, die auf diese Art und Weise um ihre Existenz gebracht wurde.

Und wer hat ab 1932 die vakanten Märkte von BING ausgefüllt ? In erster Linie wohl Märklin, dann aber auch BUB und Kraus. Des einen Leid ist des anderen Freud.

Schönen Gruß
Udo


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#10 von Gelöschtes Mitglied , 10.09.2015 12:45

Hallo,

vor dem WK 1 war es sicherlich schon technisch nicht einfach, eine Tochterfirma in USA von Nürnberg aus zu kontrollieren, da musste der gute Herr Bing halt einfach vertrauen! Man machte da noch Morse- Telegraphie per Atlantik- Kabel und eine Reise mit dem Schiff dauerte 4-5 Tage und musste vorgebucht werden, das ging nicht so schnell.

Ignaz Bing war auch ansonsten recht umtriebig, in der Fränkischen Schweiz hat er noch die nach ihm benannte Bing- Höhle erforscht.

Übrigens: Stephan Bing, das war wohl der Sohn, gründete Trix, musste 1938 nach England emigrieren. Dort baute er dann mit Basset- Lowke die Trix TTR und die hatten auch ein aus heutiger Sicht merkwürdiges Geschäftsgebaren, denn sie haben den Einzelhändlern Warenkontingente zugeteilt: Die Händler konnten da nicht einfach frei bestellen, was sie wollten.

Basset- Lowke wiederum war ein guter Freund vom Märklin- Strauß. Das gäbe es heute auch nicht mehr, dass die Konkurrenz so lockeren Umgang pflegt.

Aber ich nehme an, dass wir diese Dinge heute gar nicht so einfach abschließend beurteilen können, denn knapp 80 Jahre später läuft eben alles anders!

Martin



RE: Carette-Katalog 1911

#11 von Blech , 10.09.2015 13:59

Martin,
die Zuteilung gab es auch in Deutschland ab Herbst 1939 -Kriegsbeginn.
Schöne Grüße
Botho


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RE: Carette-Katalog 1911

#12 von Gelöschtes Mitglied , 10.09.2015 14:17

Hallo Botho,

war es normale kriegsbedingte Rationierung? Das würde es dann erklären.

Martin



RE: Carette-Katalog 1911

#13 von Blech , 10.09.2015 14:34

Martin,
zum Thema Blechzusteilung oder gar Fertigungsverbot für Spielzeug
habe ich in den Zeitschriften "Figuren Magazin" und "Altes Spielzeug" ausführlich geschrieben. Auch in Fall Wiking im "WSN".
Die Einschränkungen kamen Schritt um Schritt, begannen spätestens(!) im Herbst 1939 mit dem Kriegsbeginn, dann aber weiter und schnell ab 1940.
Die Industrie hatte sich eigentlich schon vorbereitet, die Miniaturisierung des Spielzeugs ist ein Beispiel, siehe 00 (ein Viertel des Materials von 0 bei einem Waggon), die 4-Zentimeter-Figuren bei Lineol oder Elastolin, die kleineren Figuren bei Schuco, Gnom bei Lehmann und und und...
Es waren zuerst Materialzuteilungen, dann aber auch weitere Einschränkungen, wie Materialumstellungen. Und dann natürlich die Umstellung ganzer Produktionsanlagen auf kriegswichtiges Material. ABER! Wie oftmals behauptet wird, ein generelles Fertigungsverbot für Spielzeug gab es nie! Nie! Es wurde beispielsweise viel für den Export gegen Devisen gefertigt und dabei entstandene Überschüsse wurden auch im Reich verkauft. Und gefertigt wurde wirklich bis zuletzt! Es sind Beispiele aus Nürnberg genug bekannt und auch Lehmann in Brandenburg fertigte noch -wie Wiking in Berlin- Spielzeug, als im Frühjahr 1945 der Russe mit seiner Kalaschnikow an die Tür klopfte.
Ich habe das alles mit Daten in diesen Berichten dargelegt, Namen, Firmen und Termine genannt. Bitte bei Bedarf nachlesen.
Du findet dort Firmennamen, Gesetze und Verordnungen mit Terminen, Warengruppen und deren Ausweichmaterial, Hintergründe usw.
ABER dabei festhalten: Es gab nie den totalen Stopp der Spielzeugfertigung! Diese Behauptung gehört zu den Märchen!
Diese Einschränkungen gab es übrigens auch in den USA -Pappeisenbahnen bei Lionel zur Kriegszeit! Steht auch in dem Bericht. Und noch mehr.
Schöne Grüße aus Hessen
Botho


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RE: Carette-Katalog 1911

#14 von Udo , 10.09.2015 15:58

Hallo, Botho,

das ist ja ein interessanter Aspekt zum Vierteln des Rohmaterials, in dem man kleineres Spielzeug propagierte. Demnach könnte man sagen: Ohne Krieg hätte es die Spur 0 noch bedeutend länger gegeben, vllt bis heute (denn inzwischen gibt es ja wieder sogar Spur 1). Und die Spur 00, später H0 hätte erst viel später den großen Erfolg gehabt.

Und vor allem hätten wir tinplate-Sammler Zugriff zu all dem Material, dass durch den Krieg vernichtet wurde. Oh je ! Unsere Wohnungen würden überquellen.

Zur Weiterproduktion von Spielzeug im Krieg: Eigentlich klar, denn was hätte man zu Weihnachten oder zum Geburtstag denn sonst schenken können ? Wenn es kein Spielzeug gegeben hätte, wären die Leute unruhig geworden. Der Vater konnte nichts aus Holz basteln, der war im Krieg. Das wussten schon die Römer: Gib dem Volk Brot und Spiele, dann bleiben sie ruhig.

Schönen Gruß
Udo


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#15 von Blech , 10.09.2015 16:15

Udo,
es ist sicher nicht richtig, würde man sagen, die Karriere der 00-Bahn wäre auf die nach 1933 zu erwartende Materialknappheit zurückzuführen.
Sie wurde aber dadurch begünstigt, gefördert. Und die Raumfrage bestand auch noch.
Begonnen hat die 00-Bahn bekanntlich mit Bing 1922 -die Folge von kleineren Wohnungen und Ausbreitung des Umsatzes in weniger begüterte Kreise.
Richtig ist -und das habe ich mehrfach in meinen Büchern angesprochen- dass die deutsche Industrie schon zur Machtübernahme der NSDAP 1933 eine Ahnung davon hatte,
wohin der Weg führend würde -also begann man da schon mit der Verkleinerungswelle beim Spielzeug und sah sich nach neuen Materialien um, die Metall ersetzten können.
Wiking und Sieper sind da besondere Beispiele. Friedrich Peltzer schrieb bereits 1936 in seinen Gebrauchsmusterschutz-Antrag von der Kunststoffverwendung und landete bald bei Polystyrol Trolitul -wie auch Sieper. Sieper lieferte 1940 und 1941 Millionen(!) militärische Aufstellfiguren für das WHW in Kunststoff -wir Kinder spielten damit gerne auf dem Tisch! Aha, auf dem Tisch! Und das war auch ein Schritt zur Miniaturisierung wie auch bei Wiking -alles kleine Bausteine passend zur Zeit.
Übrigens habe ich gerade die 24 Sieper-Modelle von 1940/41 in der Internetzeitschrift WSN vorgestellt und das Umfeld dazu beschrieben.
Freundliche Grüße
Botho


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Bing und Carette und Botho

#16 von Charles , 10.09.2015 21:47

Hallo,

zu Bing und Carette :

"Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man soll sie billig hören beede"



Hier geht's zu Bothos Siku Artikel (26) :


Grüße aus dem Odenwald.

Charles


 
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RE: Bing und Carette und Botho

#17 von Lorbass , 14.09.2015 12:10

Hallo,

eine spannede Geschichte hat Carette.Die Firma hat bis 1936 ! existiert.

Grüße
Frank



 
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RE: Bing und Carette und Botho

#18 von Blech , 14.09.2015 15:12

Frank,
formal richtig:
Zum 21. Oktober 1936 erklärte das Gericht die Liquidation für beendet.
Technisch aufgelöst wurde Carette 1917 und seit 1922 lag die Marke bei Bing/Bauer.
Schöne Grüße aus Hessen
Botho


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RE: Carette-Katalog 1911

#19 von STUPIDIX , 15.09.2015 18:32

Hallo Udo,

Zitat von Udo im Beitrag #1
Hallo,
Diese Nachdrucke werden auch immer wieder angeboten, aber immer so in der Preislage von 300 bis 400 Euro. Dann habe ich gesehen, dass auf einer Auktion so ein Katalog zu einem Zuschlagspreis von 50 Euro weg ging. Plus Aufgeld, Versand usw. macht das einen Preis von vllt 70 Euro aus. Dadurch animiert, schaute ich mal bei Google nach und wurde fündig. Aus GB wurde so ein Katalog für 62 Euro plus 20 Euro versicherter Versand angeboten. Ich habe dieses Buch gekauft, und inzwischen ist es eingetroffen.



Bei ABE-Books WAR ein Exemplar für 91 € ... + 6€ Versand ..

Das fehlte in meiner Sammlung

Jetzt sollte es auf dem Weg zu mir sein ....

Liebe Grüße
Heinrich


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#20 von Sammelwahn , 15.09.2015 19:30

Ich habe mein Exemplar vor etwa 20 Jahren in London im Buchladen gekauft, da hat es noch 25 Britische Pfund gekostet.

Gruß
Arne


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RE: Carette-Katalog 1911

#21 von Udo , 15.09.2015 21:11

Arne, wie stand denn damals das Britische Pfund ?


 
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RE: Carette-Katalog 1911

#22 von Sammelwahn , 15.09.2015 22:13

Hallo Udo,
ob mans glaubt oder nicht, der Beleg vom Geldwechseln existiert noch. 1 britisches Pfund kostete 2,39 DM. Also kostete das Buch etwa 60 DM.

mit bestem Gruß
Arne


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RE: Carette-Katalog 1911

#23 von Udo , 15.09.2015 22:17

Ok, Arne, dann hast du den Versand gespart, musstest aber schleppen. Aber ein so tolles Buch schleppt man bestimmt gerne.

Schönen Gruß
Udo


 
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